Immobilienfinanzierung USA
Übrigens: Mit Absicht wird hier vorrangig auf den Kauf von Bestandsimmobilien Bezug genommen, da Käufe und Verkäufe statistisch betrachtet deutlich weiter verbreitet sind als ein Neubau.
Vor der Immobilienfinanzierung
Der Ablauf einer Immobilienfinanzierung in den USA unterscheidet sich deutlich vom Vorgehen in Deutschland: Muss in Deutschland zuerst die Finanzierung stehen, bevor der eigentliche Kaufvertrag zustande kommt, ist es in den USA genau umgekehrt. In der Regel über einen Makler sucht man eine geeignete Immobilie. Ist ein passendes Objekt gefunden, unterbreitet immer der Kaufinteressent (meist über seinen Makler) ein schriftliches Kaufangebot, offer genannt. Das Angebot ist auf wenige Tage befristet und kann deutlich niedriger ausfallen als der geforderte Betrag. Dem Verkäufer steht es nun zu, ein Gegenangebot (counter offer) mit veränderten Konditionen zu unterbreiten. Wenn die Frist ungenutzt verstreicht, kommt das einer Ablehnung des Angebots gleich. Die Angebote gehen beiden Parteien stets schriftlich zu. Wen das Ganze ein wenig an Feilschen auf dem Markt erinnert, liegt damit vollkommen richtig: Angebote und Gegenangebote gehen so lange hin und her, bis eine Einigung erzielt werden kann.Der Kaufvertrag („execution“) kommt dann zustande, wenn beide Parteien den Vertrag unterzeichnen. Häufig zieht man dafür seinen Anwalt hinzu. Je nach Bundesstaat ist auch eine Beglaubigung durch einen „notary public“ (ein „Beglaubigungsbeamter“, kein Notar!) oder die Bestätigung des Vertrags durch 1-2 Zeugen vorgeschrieben. Beim Kaufvertrag handelt sich um einen privatschriftlichen Vertrag („private instrument“), der alle wichtigen Einzelheiten des Kaufs beinhaltet. Darin enthalten sind meist auch der Finanzierungsvorbehalt und in jedem Fall das „Closing Date“. Wenn die Immobilie (oder das Grundstück) nicht bar bezahlt wird, sondern eine Finanzierung notwendig ist, findet sich im Vertrag eine Klausel zum Finanzierungsvorbehalt. Letztlich besagt sie, dass das Geschäft nicht zustande kommt und u.U. sogar eine Schadenersatzpflicht besteht, wenn die Finanzierung nicht zu realisieren ist. Das Closing Date ist ein sehr wichtiger Bestandteil des Kaufvertrages: Bis zu diesem Zeitpunkt, der mehrere Monate in der Zukunft liegen kann, muss die Immobilie auf Herz und Nieren geprüft werden („inspection/due diligence“) und die Finanzierung unter Dach und Fach sein.
Ablauf der Immobilienfinanzierung
Ein erfolgreicher Abschluss einer Finanzierung der Immobilie steht anders als in Deutschland nicht am Anfang des Geschäfts, sondern ist Voraussetzung dafür, dass die Übereignung zum Closing auch tatsächlich stattfindet. In Fragen der Finanzierung stehen unzählige Möglichkeiten zur Verfügung. In jedem Fall muss mit der Unterzeichnung des Kaufvertrages eine Anzahlung („earnest money deposit“) geleistet werden: Der Betrag in Höhe von 1 bis 3 Prozent des Kaufpreises geht auf ein Treuhänderkonto und wird nur dann zurückerstattet, wenn der Kauf scheitert und der Verkäufer Schuld daran trägt. Das Treuhänderkonto wird bis zum Closing vom sogenannten „Escrow Agent“ verwaltet.Die Finanzierung selbst wirkt auf den ersten Blick einfacher als Viele denken: Um eine gute Finanzierung auf die Beine stellen zu können, ist es notwendig, sich über die Kosten bewusst zu werden. Neben dem eigentlichen Kaufpreis fallen insbesondere bei einer Finanzierung noch etliche Zusatzkosten an. Zu nennen wären hier u.a. Gebühren und Kreditkosten, Provisionen und Treuhänderkosten, Kosten für den Anwalt, den Notar usw. Um den Finanzierungsbedarf ermitteln zu können, sollte man sich von der Bank eine möglichst genaue Schätzung der Kosten geben lassen. In jedem Fall sollte ein Angebotsvergleich durchgeführt werden - das Angebot an Finanzierungsmodellen und Geldinstituten ist vergleichsweise unübersichtlich. Wie auch in Deutschland gibt es auch in den USA eine Reihe von Kreditversicherungen („private mortgage insurance“), die je nach persönlicher Lage sinnvoll erscheinen. Liegt der Eigenkapitalanteil unter 20 Prozent, setzen viele Geldinstitute auch einen Abschluss einer solchen Versicherung voraus, bevor Geld fließt. Anders als in Deutschland sichert die Police aber nicht u.a. Todes- oder Krankheitsfälle ab. Nutznießer ist vielmehr die Bank: Diese Versicherung schützt sie vor einem Kreditausfall.
Wichtig zu wissen ist auch, dass für eine Immobilienfinanzierung weniger Eigenkapital als in Deutschland benötigt wird: Sogenannte „Foreign Nationals“, also Personen mit anderer Staatsbürgerschaft, die aber in den USA leben und arbeiten, erhalten bis zu 80 Prozent des Kaufpreises finanziert. Für US-Amerikaner ist es kein Problem, eine Immobilie auch zu 100 Prozent oder mehr finanzieren zu lassen. Zur Beantragung benötigen die Banken insbesondere den „credit report“ zur Überprüfung der Bonität, der unter der Sozialversicherungsnummer (SSN) geführt wird. Nachgewiesen werden muss auch ein regelmäßiges Einkommen.
Wer den richtigen Ansprechpartner für eine Immobilienfinanzierung sucht, hat es nicht immer leicht: Jede Bank hat einen „Mortgage Specialist“, es gibt „Lender“ und nicht zu vergessen Retail und Wholesale-Abteilungen. Die wohl beste Lösung ist die Kontaktierung eines „Mortgage Brokers“: Dieser Finanzierungsvermittler kann häufig sogar die Konditionen der Direktanbieter schlagen und führt wie in Deutschland die Produkte mehrerer Anbieter.


