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Sachleistung versus Kostenerstattung

Vro am 2. November 2006

Ein großer Unterschied zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung, den wir alltäglich spüren, besteht in den unterschiedlichen „Leistungsprinzipien“. In einer gesetzlichen Krankenkasse erhalten die Patienten Sachleistungen, sprich: Sie werden vom Arzt in die Mangel genommen, dürfen sich im Krankenhausbett räkeln, bekommen in der Apotheke etwas gegen die Wehwehchen und haben so weit mit der Bezahlung nichts zu tun, es sei denn – wer wüßte das heute nicht – es gibt eine Zuzahlung zu leisten.

Die private Krankenkasse funktioniert grundsätzlich nach dem Prinzip der Kostenerstattung, also bezahlen die Patienten erst einmal die Leistungen der Ärzte, Krankenhäuser, Apotheken etc., um das Geld dann mithilfe eines Antrags von der Kasse wiederzubekommen. Allerdings sind diese Prinzipien in beide Richtungen aufgeweicht worden: Seit 2 Jahren muss die GKV den Versicherten – Beratung vorausgesetzt – auch das Prinzip der Kostenerstattung anbieten; wenn man sich dafür entscheidet, bleibt man ein ganzes Jahr daran gebunden. Die privaten Krankenkassen wiederum können und wollen ab einer bestimmten Kostenhöhe – dazu gehören kostspielige Krankenhausaufenthalte – nicht von ihren Klienten verlangen, dass sie auch dort in Vorleistung gehen. Hier rechnet dann doch das Krankenhaus direkt mit der Kasse ab. Die privaten Krankenversicherungen sind auch dazu übergegangen, mit den „Leistungserbringern“ direkte Verträge abzuschließen, um Kosten einzudämmen; in diesem Fall ist für die Versicherten oft ebenfalls eine Sachleistung ohne vorherige Eigenzahlung möglich.

Mein Gedanke dazu: Das Sachleistungsprinzip ist erst einmal ziemlich easy, ich habe keinen bürokratischen Aufwand. Außerdem verursacht rein wirtschaftlich gesehen, die Zeit, in der ich mein Geld von der Kasse noch nicht zurück habe, einen Zinsverlust. Allerdings finde ich, man sollte die psychologische Wirkung von Geld, das schon mal fort war und plötzlich wieder auf dem Konto ist, nicht unterschätzen ;-)

Was ich aber wichtiger finde: Als gesetzlich Versicherte habe ich im Prinzip überhaupt keine Ahnung, was irgendeine Leistung kostet. Ich kann nicht kontrollieren, ob die Krankenkasse nicht etwas zahlen muss, das gar nicht geleistet wurde. Und wenn ich weiß, dass ich etwas von vorneherein nicht bezahlen muss, frage ich sicher nicht allzu genau nach, wie nötig das eigentlich ist, sondern „nehme die Leistung mal mit“. Auf Dauer kann das bei den gesetzlichen Krankenkassen auch zu einer Kostenexplosion führen (das versuchen sie ja einzuschränken, indem die Ärzte z.B. nur noch Kontingente an bestimmten Verschreibungen heraushauen dürfen).

Vro

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