Drohen Kassenpatienten schwere Zeiten?
Im sonst so vorbildlichen Freistaat Bayern scheint sich eine kleine Krise anzubahnen. Diese Woche haben sich schätzungsweise 4.000 Allgemeinmediziner – allesamt Mitglieder des Bayerischen Hausärzteverbandes (BHÄV) – versammelt und über ihre zukünftige Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) beraten.
Die Ärzte sind mit dem jetzigen System nicht zufrieden. Die Zusammenarbeit mit der KVB verursache einen enorm hohen Verwaltungsaufwand und würde nur geringe Erträge bringen. Deshalb diskutierten Allgemeinmediziner ernsthaft über eine Rückgabe ihrer Kassenzulassungen. Sollte es dazu kommen, könnte dies Folgen für die Patienten haben – zumindest für alle Kassenpatienten. Deren Behandlungen werden allesamt über die Kassenärztliche Vereinigung abgerechnet. Im schlimmsten Fall könnte das bedeuten, dass Kassenpatienten nicht mehr behandelt werden.
Allerdings ist es sehr unwahrscheinlich, dass es soweit kommen wird. Gleichzeitig diskutierten die Ärzte nämlich auch über Lösungsmöglichkeiten. Sie spielen unter anderem mit dem Gedanken, individuelle Abrechnungssysteme einzuführen. Auf diese Weise wollen sie dafür sorgen, den Verwaltungsaufwand zu senken und gleichzeitig die Rentabilität ihrer Praxen zu erhöhen.
Die gesetzlichen Krankenkassen sowie die Kassenärztlichen Vereinigungen reagierten mit Entsetzen. Sie weisen darauf hin, dass das Gesundheitssystem durch entsprechende Konzepte verkompliziert werden könnte, wodurch die Gesundheitskosten noch weiter ansteigen würden. Dementsprechend wären sie froh darüber, wenn alles beim Alten bliebe. Allerdings ist das fraglich, denn seit gestern scheint sich auch in Baden-Württemberg eine ganz ähnliche Entwicklung anzubahnen.
Die Auswirkungen, die entsprechende Maßnahmen hervorrufen würden, sind derzeit nur schwer abzuschätzen. Sollten die Ärzte tatsächlich soweit gehen und von ihren Kassenzulassungen zurücktreten, so wären sie die Gewinner – inwiefern das für die Patienten zutreffen würde, ist allerdings noch unklar.
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