Versicherungsbranche ist trotz stagnierender Geschäfte zuversichtlich
Bernhard Schareck, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), stellte am Mittwoch in Berlin vor allem eines klar: „Die Finanzkrise ist keine Krise der Versicherungen.“ Mit dieser Aussage möchte sich die Branche klar von den Banken abgrenzen. Dank der laufenden Prämieneinnahmen, die deutlich höher lägen als die Auszahlungen, bestünden bei den Assekuranzen keine Probleme mit der Refinanzierung. Die Versicherungswirtschaft sei nicht direkt von der Krise betroffen, zumal Aktien bei den Anlagen der Unternehmen mit einer Quote von rund acht Prozent nur eine untergeordnete Rolle spielten.
„Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht erkennt für Versicherungsunternehmen keine aktuelle Bedrohung“, so Schareck. Gleichwohl rechnet der GDV für das kommende Jahr mit stagnierenden Beitragseinnahmen. 2008 konnte die Branche noch ein Beitragswachstum von 165,3 Milliarden Euro verbuchen, damit ein Plus von 1,5 Prozent. Träger des Erfolgs waren die private Krankenversicherung und die Sparte Lebensversicherungen, die um 2,9 bzw. 2,0 Prozent zulegten. Dabei erweist sich gerade die Riester-Rente als echter Gewinn für die Branche. Etwas schwächer, dafür wesentlich entspannter als im Jahr des Orkans „Kyrill“ zeigten sich mit 0,2 Prozent die Sparten Schaden- und Unfallversicherung. Ein großes Loch rissen hier die Kfz-Haftpflicht und die Kaskoversicherung, deren Prämienvolumen um 2,5 Prozent absackte.
Den Lebensversicherern geht es da schon besser. 77 Milliarden Euro nahmen sie in diesem Jahr ein. Der Trend geht eindeutig in Richtung Einmalbeiträge. Sie machen inzwischen zwei Drittel des Neugeschäftes aus und sorgen mit der staatlich geförderten Riester-Rente dafür, dass die Geschäfte nicht stagnieren. Die Unternehmen erwarten, dass 2008 rund 1,8 Millionen Riester-Verträge für die private Altersvorsorge unterzeichnet werden. Das sind weniger Policen als 2007. Voriges Jahr entschieden sich noch zwei Millionen Kunden für die Förderrente. Unter dem Strich geht man im Bereich Lebensversicherungen von einem Minus im Gesamtneugeschäft von sieben Prozent aus. Etwas magerer dürfte auch die Überschussbeteiligung für die Kunden im nächsten Jahr ausfallen. 2008 sind es rund 5,0 Prozent inklusive des Garantiezinses. Eine genaue Prognose für 2009 wagt der GDV nicht.
Eher unzufrieden, trotz Beitragsplus von 2,9 Prozent, ist der Verband mit der Entwicklung in der privaten Krankenversicherung. Lediglich 23.400 Neukunden wurden im ersten Halbjahr 2008 gewonnen. Im Vergleichszeitraum 2007 waren es noch 37.700 Versicherte, die der PKV den Vorzug gaben. Als Bremse wertet der GDV die neuen gesetzlichen Vorgaben, nach denen Angestellte drei Jahre in Folge ein ausreichend hohes Einkommen nachweisen müssen, ehe sie in die private Krankenversicherung wechseln dürfen.
News • Versicherungen • Kommentar(e): (0) • Trackbacks (0) • Permalink
