Versicherungskunden sind nicht mehr so treu wie einst
Versicherungskunden sind erheblich kritischer geworden und reagieren schneller auf Missstände. Das spiegelt sich in der Zahl der Kündigungen wider, die tatsächlich ausgesprochen wurden oder zumindest beabsichtigt sind. In den vergangenen Jahren haben 16 Prozent der Bundesbürger mindestens eine ihrer Policen gekündigt. Mit dem Gedanken spielten 2008 sogar 21 Prozent. Vor neun Jahren waren es im Vergleich dazu nur 13 Prozent der Kunden, die überlegten, ihre Versicherungsverträge zu kündigen und einen anderen Anbieter zu wählen.
Das sind die Ergebnisse des aktuellen Kundenmonitor Assekuranz mit dem Schwerpunkt Stornoanalyse, erstellt vom Marktforschungs- und Beratungsinstitut psychonomics AG. Die repräsentative Studie mit über 3.800 Teilnehmern ab 14 Jahren zeigt auf, woran es bei den Unternehmen hapert und warum Kunden überhaupt kündigen wollen.
Betroffen von den Kündigungsabsichten ist in erster Linie die Sparte Kfz-Versicherung. Doch auch in den Bereichen private Kranken- und Unfallversicherung, Rechtsschutz-, Risiko-Lebens- und Krankenzusatzversicherung neigen Kunden eher dazu, sich von ihrem jetzigen Versicherungsunternehmen zu trennen. Finanzielle Gründe sind dabei nur ein Aspekt. Viel schwerer wiegen die Schwächen im Kundenbeziehungsmanagement der Assekuranzen. Die Versicherten sind schlichtweg unzufrieden mit dem Service und der Beratung. Das führte in 50 Prozent der Fälle direkt zur Kündigung und einem Anbieterwechsel. In der Folge wurden schließlich alle Verträge der Gesellschaft storniert. Als besonders kritisch zeigen sich Kunden im mittleren Alter, die ein höheres Einkommen erzielen.
Versicherungen, die nicht Gefahr laufen wollen, in Zukunft noch mehr Kunden zu verlieren, müssen sich laut Christoph Müller von der psychonomics AG „einiges einfallen lassen“. Er spricht sich für effektive Maßnahmen zur Kündigungsprävention aus und rät den Unternehmen, sich intensiver mit den Gründen für die Kündigungen zu befassen. Noch würden zu viele Versicherungen ihre Kunden einfach ziehen lassen. In 58 Prozent der Fälle sei nicht einmal der Versuch unternommen worden, sie zurückzugewinnen, obwohl 39 Prozent der Versicherten durchaus offen für neue, attraktive Angebote seien. Die Treue der Kunden müsse gestärkt werden und der Service insgesamt über den Erwartungen liegen. Christoph Müller gibt den Tipp, sich um ein professionelles Beschwerdemanagement zu bemühen und gezielt an der Prävention zu arbeiten, damit Kunden gar nicht erst auf die Idee kommen, kündigen zu wollen.
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