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Freitag, April 03, 2009

Immer mehr Versicherte beschweren sich über ihre PKV

Ombudsmann Helmut Müller hat gut zu tun. Dafür sorgen unter anderem die privaten Krankenversicherungen (PKV). Sie schauen aufgrund des gestiegenen Kostendrucks im Gesundheitswesen noch genauer hin, ob eine vom Arzt erbrachte Leistung medizinisch überhaupt notwendig war, und verärgern damit viele ihrer Kunden. 4.400 von ihnen wandten sich 2008 an den Schlichter. Das sind zehn Prozent mehr als 2007. 21 Prozent der Beschwerden bezogen sich auf die Kontrolle der Arztabrechnung. Ob überhaupt eine Behandlung durchgeführt wurde, zweifelten die Krankenversicherer in 17 der Fälle an, die auf dem Schreibtisch von Helmut Müller landeten. Schlichten konnte der Ombudsmann bei gut 30 Prozent der Eingaben.

Beruhigen wird sich die Situation vorerst wohl nicht, denn die privaten Krankenversicherungen kämpfen derzeit gleich an zwei Fronten. Urheber dieser Probleme ist aus Sicht der PKV ganz klar der Gesetzgeber. Die Unternehmen sehen die Gesundheitsreform nach wie vor als „politischen Nackenschlag“, der sich deutlich auf den Netto-Neuzugang ausgewirkt hat. Nur 48.900 Personen schlossen im vergangenen Jahr eine Krankenvollversicherung ab. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Rückgang um 18 Prozent und mit Blick auf das Jahr vor der Reform ein Minus von 58 Prozent.  Daran können auch die ehemals Nicht-Versicherten, die wieder in den Schoß der PKV fanden, wenig ändern. 18.500 von ihnen entschieden sich schon vor der Versicherungspflicht zur Rückkehr. Hinzu kommen 2.400, die den modifizierten Standardtarif wählten.

Das zweite Problem der PKV sind die steigenden Ausgaben. Die Unternehmen konnten in 2008 zwar 2,7 Prozent mehr Beiträge im Bereich Krankenversicherung einnehmen und 4,8 Prozent mehr bei der Pflegeversicherung. Gleichzeitig stiegen die Versicherungsleistungen um 6,6 Prozent auf 19,53 Milliarden Euro bzw. um 5,2 Prozent auf 0,61 Milliarden Euro. Der Verband der PKV schreibt dazu auf seiner Seite: „Die Kostensteigerung geht deutlich über die Entwicklung in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) hinaus, vor allem aufgrund der ärztlichen Leistung. Die PKV wird deshalb nicht nachlassen in dem Bemühen, mehr Einfluss auf Preise und Qualität zu nehmen.“ Für Ombudsmann Helmut Müller heißt das: Der Schreibtisch wird nicht leerer.

Posted by Andre on 04/03 at 07:58 AM
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