Rürup kritisiert Vorsorge-Ampel
So ziemlich jedes Altersvorsorgeprodukt ist im Laufe der Jahre bereits ein- oder mehrmals ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Das gilt auch für die Rürup-Rente, das von Bert Rürup erarbeitete Basisrentenmodell für Selbständige und Freiberufler sowie die Kapitallebensversicherung. Um Verbrauchern die Wahl leichter zu machen, plant SPD-Schatten-Verbraucherschutzministerin Barbara Hendricks, Finanzprodukte mit einer Ampelkennzeichnung zu versehen. Ganz nach dem Motto: grün gut, rot „Finger weg“. Rürup, ehemaliger Regierungsberater, hält das für eine völlig untaugliche Systematik.
Private Altersvorsorge ist kein Produkt von der Stange, sondern muss individuell an die Lebensumstände angepasst werden. Beratung von einem Experten ist daher das A und O, statt sich bei der Wahl der richtigen Privatrente und Vorsorgestrategie auf eine Farbe zu verlassen. „Was für einen verheirateten Facharbeiter ohne Kinder die richtige Lösung ist, kann für die allein erziehende Verkäuferin die falsche sein“, betont Bert Rürup. Dagegen hält Barbara Hendricks, dass jeder Interessent auf den ersten Blick sehen müsse, welche Risiken bestehen.
Kunden mit rot, gelb und grün darauf hinzuweisen, was gut bzw. sicher oder risikobehaftet ist, hat schon die Verbraucherzentrale Hamburg versucht. Ihre Broschüre mit dem berühmten Ampel-Check für die private Altersvorsorge wurde ziemlich schnell wieder aus dem Verkehr gezogen. Die Debeka hatte geklagt, weil nahezu alle Produkte, die von Versicherungen angeboten werden, mit einem leuchtenden rot markiert und damit als ungeeignet abgestempelt worden waren. Ob das Heft wieder verteilt werden darf, muss jetzt das Landgericht in Berlin entscheiden.
Als zu unsicher hatte die Verbraucherzentrale auch die Basisente eingestuft. Lediglich die Variante mit Einmalzahlung fiel nicht komplett durchs Raster. Eine Bewertung, die Bert Rürup so nicht stehen lassen kann. „Für nicht wenige ist die Rürup-Rente die einzige Möglichkeit, mit staatlicher Unterstützung Altersvorsorge zu betreiben“, betont er. Dass die nach ihm benannte Rente Schwächen hat, gibt der Experte offen zu. Die eingezahlten Beiträge müssten beispielsweise garantiert werden, fordert der Vater der Basisrente. Von Vermittlern und Maklern wünscht er sich, dass sie nicht nur auf die Steuerersparnis heute, sondern auch auf die Besteuerung der Rente später hinweisen. Das geschehe noch zu selten.
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