BU-Schutz wird oft zu niedrig gewählt
Prioritäten, die beim Versicherungsschutz gesetzt werden, lassen sich anhand von Statistiken sehr leicht ablesen. Sehr weit vorne steht die Lebensversicherung. Sie kommt in der Bundesrepublik auf über 70 Millionen Policen. Ihre Aufgabe: Sie soll passend zur Rente ein paar Euro zusätzlich in die Kasse spülen und die Familie absichern. Deutlich seltener nachgefragt wird die Berufsunfähigkeitsversicherung. Bis Ende 2009 verbuchten die Assekuranzen lediglich 16,6 Millionen Verträge. Dabei gilt der BU-Schutz als eine der wichtigsten Absicherungen, direkt nach der privaten Haftpflichtversicherung.
Die Zahlen vom Handelsblatt belegen allerdings nicht nur, dass die Deutschen eine Lebensversicherung für wichtiger erachten als den Berufsunfähigkeitsschutz. Sie zeigen auch, dass die meisten Kunden einen Vertrag mit viel zu geringer Leistung gewählt haben. Die Ratingagentur Franke und Bornberg ermittelte, dass 70 bis 90 Prozent der Verträge auf eine Rente von unter 1.000 Euro im Monat kommen. Bei eigenständigen Policen seien es rund 900 Euro. Werde die BU-Versicherung als Zusatz zu einer Lebensversicherung vereinbart, ergebe sich ein Durchschnitt von 500 Euro.
Dass es mit solchen Beträgen relativ schwer sein dürfte, über die Runden zu kommen, steht außer Frage. Denn wer seinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht weiter ausüben kann – ein Schicksal, das mittlerweile jedem Vierten droht – steht allein auf weiter Flur. Vom Staat ist nicht viel zu erwarten - da hilft nur private Vorsorge. Deshalb sind Policen mit niedriger Rente zwar lobenswert, weil man sich Gedanken über den Fall der Fälle gemacht hat, aber nicht dazu geeignet, den Lebensstandard zu sichern. „Das ist deutlich zu wenig und hat damit zu tun, dass in den meisten Fällen keine bedarfsgerechte Beratung geführt wird“, moniert Michael Franke von der Ratingagentur.
Beratung ist gerade bei der Berufsunfähigkeitsversicherung das A und O. Der Aufwand ist zwar vergleichsweise groß, unter anderem, weil ein Fragenkatalog zur Gesundheit beantwortet werden muss - aber er lohnt sich. Nur ein maßgeschneiderter Schutz passt später auch. Das Problem bei der BU-Police: Viele Interessenten werden abgelehnt und in einigen Berufsgruppen liegen die Prämien aufgrund des vermuteten Risikos extrem hoch. Gegenüber dem Handelsblatt kritisiert Michael Franke daher, dass gerade für diejenigen, die den Schutz dringend nötig hätten – auch weil sie nur ein niedriges Einkommen erzielen –, sich die Prämien „verdoppelt bis vervierfacht“ haben.
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