Entlang Mosel haben nur wenige Winzer eine Hagelversicherung
Wenn das Wetter Kapriolen schlägt, Blitz, Sturm und Hagel ihre zerstörerische Kraft unter Beweis stellen, dauert es oft nur wenige Minuten und die gesamte Ernte ist hin – für Landwirte und Winzer ein Schreckensszenario. Angesichts der eher unerfreulichen Prognose, dass die Zahl der Unwetter auch in der Bundesrepublik steigen könnte, ist es deshalb nur schwer verständlich, weshalb an der Mosel nur wenige Winzer ihre Rebfläche gegen Hagelschäden versichern. Denn die finanzielle Belastung wird durch Hilfen der EU zumindest ein wenig gemildert, wenn die Betriebe sich rechtzeitig um eine Police kümmern.
Gerade einmal 25 Prozent der Anbaufläche entlang der Mosel stehen unter dem schützenden Mantel einer Hagelversicherung. Welch fatale Folgen das haben kann, zeigte sich vor wenigen Tagen in der Pfalz und in Rheinhessen. Auf 6.000 Hektar richteten Hagelkörner einen Schaden von rund 25 Millionen Euro an. Vergleichsweise harmlos war da das Unwetter im Mai 2008 im Raum Cochem. Damals wurden 200 Hektar in Mitleidenschaft gezogen. Um zumindest den finanziellen Schaden in Grenzen zu halten, rät der Weinbauverband zum Abschluss einer Versicherung.
Beim Marktführer, der Vereinigten Hagelversicherung, würde eine Schadenersatzleistung von 10.000 Euro je Hektar an der Mosel ungefähr 250 Euro kosten. 50 Euro übernimmt die Europäische Union, sofern der Winzer den Vertrag vor dem 30. Juni 2010 unterschreibt. Die restlichen 200 Euro müsste der Winzer aus eigener Tasche aufbringen. Dazu durchringen konnten sich bislang nur wenige Unternehmen. Von den 9.000 Hektar an Mosel, Saar und Ruwer sind aktuell nur 2.000 versichert, erklärte der Bezirksdirektor der Vereinigten Hagel, Heinzbernd Hurtmanns, im Gespräch mit dem Trierischen Voksfreund.
In anderen Regionen wie der Pfalz und Rheinhessen liegt die Quote deutlich höher, bei fast 50 Prozent. Grund sei vor allem, dass dort neben Wein auch Obst und Gemüse angebaut werden. Hurtmanns spricht von einem „traurigen Kapitel“ an der Mosel. Dabei seien die Beiträge vergleichsweise niedrig, weil die Region nicht ganz so oft von Unwettern heimgesucht werde. In dieser Sicherheit wiegen sich auch die Winzer, die noch keine Hagelversicherung haben. Ihr Argument: „Ich habe mich noch nicht damit beschäftigt und war noch nie von Hagel betroffen“. Da das Risiko, „betroffen zu sein“ aus Sicht des Weinbauverbandes steigt, eine recht unbedarfte Einschätzung. Schließlich geht es auch hier um so etwas wie „private Vorsorge“.
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