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Dienstag, Juli 06, 2010

Die Allianz zieht es nach China

Weil die Versicherungsordner der europäischen Kunden weitgehend gefüllt sind und der Bedarf nach neuen Policen langsam nachlässt, orientieren sich die großen Versicherungskonzerne neu, unter anderem Richtung China. Das Land gilt als einer der ganz großen Wachstumsmärkte, empfängt die Assekuranzen allerdings nicht mit offenen Armen, sondern mit einer Vielzahl von staatlichen Auflagen. Sie zu erfüllen und dennoch ein gutes Neugeschäft zu erzielen gehört zu den Aufgaben, denen sich auch die Allianz stellt.

Ein erster wichtiger Schritt um flächendeckender arbeiten zu dürfen wurde bereits getan: Aus der Zweigniederlassung der Allianz in der Provinz Guangdong wurde eine Tochtergesellschaft. Das klingt zwar nicht nach einer besonders großen Veränderung, sie bringt dem Konzern aber einen entscheidenden Vorteil. Zweigniederlassungen dürfen zwar Policen an den Mann und die Frau bringen, sind aber an die Provinz gebunden. Nur als Tochtergesellschaft können weitere Standorte in Angriff genommen werden. Für den deutschen Versicherer mit Schwerpunkt auf die Schaden- und Unfallversicherung steht Schanghai ganz oben auf der Wunschliste für ein zweites Standbein.

Dass es sich lohnt, in China Fuß zu fassen, belegen die von Swiss Re präsentierten Zahlen. China gilt als siebtgrößter Versicherungsmarkt und bescherte den Unternehmen im vorigen Jahr Beitragseinnahmen in Höhe von 163 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Plus von 16 Prozent. Besonders deutlich wird diese Entwicklung im Bereich Schaden- und Unfall mit einem Wachstum von 20 Prozent. Doch auch Lebensversicherungen werden am neuen Markt nachgefragt und erreichten mit Prämieneinnahmen von 109 Milliarden Dollar einen Zuwachs von immerhin 14 Prozent. Von solchen Werten kann die Branche in Deutschland und Europa nur träumen.

Problematisch sind allerdings auch weiterhin die Vorschriften. In der Sparte Schaden und Unfall dürfen die Verträge anders als bei Lebensversicherungen zwar ohne lokalen Partner vertrieben werden. Im Gegensatz zu inländischen Unternehmen, die landesweit agieren, müssen sich ausländische Gesellschaften „für jede Provinz gesondert bewerben“, so Heinz Dolberg von der Asienabteilung der Allianz. Und da nur zwei neue Standorte pro Jahr gestattet sind, geht es entsprechend gemächlich voran. Schnelles Wachstum wie in Indien sei in China nicht möglich. Hinzu kommt ein extremer Wettbewerb, bei dem der Anteil ausländischer Unternehmen wieder abnimmt, von einst neun auf jetzt nur noch fünf Prozent.

Posted by Andre on 07/06 at 10:44 AM
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