Baufinanzierung: Alte Bausparverträge lohnen sich nicht immer
Der Bausparvertrag gilt in Deutschland als äußerst beliebt. Jeder zweite Deutsche schließt in seinem Leben mindestens einen Bausparvertrag ab. Selbst bei jungen Menschen ist die Quote sehr hoch bemessen – da wundert es nicht, dass viele Immobilienkäufer und Bauherren auf einen Bausparvertrag blicken können, den sie im Rahmen ihrer Finanzierung einsetzen möchten.
Der Wille, das zum Abruf bereit stehende Bauspardarlehen abzurufen, ist meistens sehr ausgeprägt. Auch dies ist kein allzu großes Wunder: Wenn man über Jahre hinweg fleißig gespart hat und man nun ein Darlehen abrufen kann, möchte man diese Möglichkeit für gewöhnlich auch nutzen. Allerdings gilt es gerade bei der aktuellen Zinssituation gut aufzupassen. Schließlich ist es um die Zinssätze für Baufinanzierungen sehr gut bestellt: So günstig wie heute ist Baugeld nur äußerst selten gewesen.
Aufgrund dieser Marktsituation kann es manchmal besser sein, dass zur Verfügung stehende Bauspardarlehen gar nicht erst abzurufen. Als die Bausparverträge abgeschlossen wurden, galten andere Zinssätze – und diese sind fest vereinbart. Direkt bei Vertragsabschluss wird bestimmt, welcher Zinssatz für das Bauspardarlehen einmal gelten wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass die aktuellen Marktzinsen für Annuitätendarlehen unterhalb des Zinssatzes vom Bauspardarlehen liegen, ist relativ groß.
In solch einer Situation macht es schlichtweg keinen Sinn, ein teureres Bauspardarlehen überhaupt abzurufen. Schließlich würde sich die Zinslast dadurch nur erhöhen. Zwar ist es ehrenwert, dass man über Jahre hinweg konsequent eingezahlt hat, jedoch sollte man deshalb nicht auf die Darlehenseinbindung bestehen. Ganz im Gegenteil: Sollten andere Darlehen günstiger als das Bauspardarlehen sein, löst man den Bausparvertrag besser auf, um das gesparte Kapital abzuziehen und beispielsweise als Eigenkapital bei der Finanzierung einzusetzen. Den Rest finanziert man über ein günstiges Annuitätendarlehen.
