Alpha-Zertifikate – Neues vom Alpha-Tierchen
Vor einiger Zeit waren sogenannte Alpha-Zertifikate außerordentlich beliebt, wurden gepusht und entwickelten sich in der Zertifikate-Landschaft zu einem regelrechten Hype. Aber wie das so häufig ist bei gepushten Hypes ging das Ganze nach einiger Zeit ernüchternd und unbefriedigend nach unten. Wenn man heute bei den Emittenten schaut, findet man gerade noch eine Handvoll von Alpha-Zertifikaten auf verschiedene Indizes oder Aktien.
Was sind Alpha-Zertifikate überhaupt? Im Gegensatz zu den meisten anderen Zertifikaten beziehen sich die Alpha-Zertifikate zwar auf ein konkretes Underlying, sprich einen Basiswert, aber beinhalten immer zwei Werte, die gegeneinander ins Rennen gehen. Der Anleger verdient dann, wenn der Basiswert sich besser entwickelt als der Vergleichswert. Egal in welche Richtung die beiden Kontrahenten laufen. Interessant ist immer nur die Renditedifferenz, also der Abstand zwischen den Entwicklungen der einzelnen Basiswerte.
Diese Anlageform agiert völlig unabhängig von einer Marktentwicklung. Diese ist für das Ergebnis völlig uninteressant. Liegt also die Renditeentwicklung des Wertes A signifikant höher als die des Wertes B in einem Alpha-Zertifikat, ist der Anleger glücklich und kann eine recht hohe Rendite einstreichen. Wenn sich jedoch in Anstiegsphasen der Börse beide Werte gleich gut entwickeln, so ist die Renditedifferenz sehr klein und damit geringer. So sind gerade in stark steigenden Bullenmärkten Alpha-Scheine nicht die richtige Wahl. Hier reduziert sich das Ergebnis um einiges. Interessanter ist die Chance, wenn in fallenden oder in Seitwärtsmärkten die Renditen der zwei Basiswerte weit auseinander laufen. Dann freut sich der Anleger schon über einige überdurchschnittliche Renditewerte.
Allerdings setzt ein Alpha-Zertifikat immer auf die Out-Performance eines Wertes gegen den anderen. Sollte sich also die Sachlage umkehren und der schlechter eingeschätzte Wert plötzlich zu einem Out-Performer werden, kann das Ganze zu einem Negativeffekt für den Anleger werden. Eventuell wird jedoch der Anleger durch eine bestimmte Sicherheitsschwelle geschützt, die ihn vor Verlusten bewahrt. Diese Sicherheitsschwelle, die z.B. bei 20 oder 30 Prozent liegen kann, schützt vor negativen Entwicklungen. Geht die Differenz in eine höhere negative Richtung des besseren Wertes, dann muss der Anleger einen Verlust in Kauf nehmen.
Weitere Varianten bei Alpha-Zertifikaten sind die Möglichkeiten, die Differenzperformance nur an bestimmten Monatstagen oder am Monatsende zu werten, was nach Meinung gewisser Banken entscheidende Vorteile haben sollte. Die Praxis hat allerdings gezeigt, dass gerade in der Anstiegsphase der vergangenen Jahre viele Alpha-Zertifikate herbe Verluste gebracht haben und es sich insofern für viele Anleger nicht gelohnt hat. Denn im Prinzip muss der Anleger eine klare Meinung zur Entwicklung einzelner Märkte haben, sonst wird das Ganze sinnlos. Er muss fest daran glauben, dass ein bestimmter Index oder eine bestimmte Aktie sich besser entwickelt als ein anderer Index oder eine Aktie. Damit ist er nach wie vor auf der Seite einer Wette. Auf die Expressvarianten von Alpha-Zertifikaten mag man gar nicht hinschauen. Hier reduziert sich der Sicherheitspuffer für das Laufzeitende um einiges, so dass sich die Wahrscheinlichkeiten für den Anleger weiter reduzieren.
Wie immer gibt es auch kapitalgarantierte oder risikolose Varianten dieses Produktes, die dann aber wesentlich geringere garantierte Renditen einfahren, die man ohne weiteres auch am Geldmarkt mit völlig risikolosen Produkten erreichen kann. Möglicherweise wurde hier mal wieder ein Hype initiiert, der am Ende wenig zurücklässt. Aber immerhin eine interessante und wissenswerte Produktvariante.
(Die Aussagen dieses Beitrags sind keine Anlageempfehlung und ersetzen nicht die Beratung durch einen qualifizierten Anlageberater)
Von Uwe Kraus
Finanzen • Geldanlage • Kommentar(e): (0) • Trackbacks (0) • Permalink
