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Montag, Oktober 31, 2011

Altersvorsorge scheitert oft an Trägheit

Die Riester-Rente darf sich mit 15 Millionen Verträgen nach zehn Jahren getrost als Erfolgsmodell feiern lassen. Allerdings, und hier setzt die Kritik an: Sie erreicht längst nicht jeden. Von den Förderberechtigten, die sich vom Staat Jahr für ein Jahr ein paar Euro für die private Altersvorsorge spendieren lassen könnten, hat bislang nur jeder Dritte einen Vertrag unterschrieben. Das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) hat jetzt Ursachenforschung betrieben, woran es liegen könnte, dass viele Bundesbürger sich die Zuschüsse entgehen lassen.

Das Fazit der Autoren Elena Lausberg und Marco Habschick ist relativ simpel: Finanzielle Anreize alleine locken niemanden mehr hinter dem Ofen hervor. Die Deutschen sind zum einen zu träge, zum anderen ist ihnen das Riester-System häufig zu komplex und schreckt durch die mangelnde Transparenz der Kostenstrukturen ab. Nötig seien zusätzlich Mechanismen, um potenzielle Sparer mit an Bord zu holen. Dazu hat die Financial Times Deutschland ein wenig über die Grenzen geschaut und nennt drei Beispiele, wie andere Länder dafür sorgen, dass die Bürger (ausreichend) privat vorsorgen.

In Neuseeland nennt sich das Programm „KiwiSaver“. Es läuft seit 2007, verbindet die private Vorsorge mit der staatlichen und betrieblichen Förderung und setzt – man höre und staune – auf die Trägheit der Bürger. Jeder Arbeitnehmer im Alter von 18 bis 64 ist automatisch im Programm, sobald eine neue Stelle angetreten wird. Wer nicht mitmachen möchte, muss sich dagegen entscheiden (Opting Out), sprich: Man muss aktiv werden, um nicht mehr vorzusorgen. Das System hat Erfolg. Schon jetzt sind 38 Prozent aller Berechtigten im KiwiSaver-Programm.
Schweden geht einen etwas anderen Weg. Hier erhalten die Bürger den berühmten orangefarbenen Brief mit allen Informationen zur Altersvorsorge, ob staatlich oder privat. Alles auf einen Blick zu haben, inklusive Prognose für die Zukunft, macht es deutlich leichter, Versorgungslücken zu erkennen und Maßnahmen zu ergreifen. Die Bundesbürger müssen ihre Daten selbst zusammentragen. In Großbritannien wird bei der Betriebsrente ebenfalls auf Opting-Out gesetzt. Zusätzlich greifen Bildungsmaßnahmen zur privaten Altersvorsorge in den Firmen. 60 Prozent der Teilnehmer haben die Informationen bereits umgesetzt.

Posted by Andre on 10/31 at 10:15 PM
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