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Freitag, September 19, 2008

Altersvorsorge: Was rentiert sich?

Wenn zwei sich streiten – oder unterschiedlicher Meinung sind, um es netter zu formulieren –, freut sich normalerweise der Dritte. Bei der privaten Altersvorsorge verunsichert ein solcher Streit die Verbraucher mehr, als dass er nützt. Der Bund der Versicherten (BdV) und die Verbraucherschützer auf der einen und der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) auf der anderen Seite haben vollkommen andere Präferenzen, wenn es darum geht, für das Alter vorzusorgen. Zu teuer oder doch renditestark, nur für Ausdauernde oder für jeden geeignet… Hilfreich ist es nicht, wenn jeder nur einzelne Punkte aufgreift, die gerade ins Konzept passen, statt alle Vor- und Nachteile der Policen und Verträge zu nennen. Denn es ist so schon schwer genug, überhaupt den Überblick zu behalten, welche Optionen zur Altersvorsorge in Frage kommen.

80 Millionen Kapital- und Rentenversicherungen sind nach Angaben des GDV derzeit im Umlauf. Im Sinne der Verbraucherschützer ist das nicht. Sie plädieren wie der Bund der Versicherten dafür, Risikoschutz und Altersvorsorge strikt zu trennen. Eine Kapitalversicherung biete aufgrund der hohen Abschlusskosten nur geringe Renditen und sei zu unflexibel. Entsprechende Verträge zu kündigen oder beitragsfrei zu stellen, lautet daher ihr Tipp. Das Kapital sei besser in anderen Produkten angelegt, wie beispielsweise der vom Staat geförderten Riester-Rente oder Investmentfonds.

Dennoch setzen viele auf die Lebensversicherung, darunter auch zunehmend junge Sparer. Erst, wenn der Vertrag gekündigt werde, merke man, dass viel Geld umsonst investiert wurde, sagt der BdV. Von 60.000 Euro, die eingezahlt wurden, blieben teilweise nur 20.000 Euro über. Im Schnitt liege der Verlust bei 3.400 Euro. Vorzeitig beendet würden 75 Prozent aller Verträge, die über 30 Jahre laufen.

Dem setzt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft die Sicherheit einer Lebensversicherung entgegen. Fonds böten diese Sicherheit nicht, zudem würde meist nur eine bestimmte Zeitspanne vereinbart, innerhalb der eine Rente gezahlt werde. „Nur eine lebenslange Rentenleistung ist echte Altersvorsorge: Die Lebenserwartung der Menschen steigt - aber niemand weiß genau, wie lange er lebt und Geld für die regelmäßigen Ausgaben braucht“, betont der GDV. Viele schätzten ihre Lebenserwartung viel zu pessimistisch ein. Zudem dürften die Kosten bei Fonds nicht unterschätzt werden. Umschichtungen seien teuer und wenn der Markt sich ungünstig entwickle, sinke der Gewinn. Bei Lebensversicherungen sei die mittlere Rendite oft höher als bei Fonds und würden die Kosten auf einen Schlag am Anfang abgezogen. 

Was nun besser ist, Fonds oder eine Renten- und Kapitalversicherung, das wird pauschal niemand beantworten können. Vor allem aber kann niemand in die Zukunft blicken, wie sich die einzelnen Produkte entwickeln. Eine ausführliche Beratung anhand der Ist-Situation und den eigenen Zielen und Vorgaben – eher risikobereit oder sicherheitsorientiert – ist der beste Weg, eine Entscheidung zu treffen.

Posted by Andre on 09/19 at 04:34 AM
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