Apotheken-Test - Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker?
Nein, bloß nicht den Apotheker. Denn es könnte gut möglich sein, dass er zu denen gehört, die gnadenlos schlecht abgeschnitten haben bei der Stiftung Warentest.
Es sind diese Erfahrungen, die wohl jeder Apothekenkunde bereits gemacht hat. Da findet keine Aufklärung über Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen statt. Und es werden rezeptfreie Medikamente mit Wirkstoffen verkauft, die man ausdrücklich ausgeschlossen hat. Die Stiftung Warentest hat sich jetzt 20 gründlich angesehen und kam zu dem niederschmetternden Ergebnis, dass manche Apotheker schlichtweg keine Ahnung haben von ihrem Beruf.
Beispiel aus dem Test der Stiftung Warentest: Ein Apotheker sagte etwas völlig Falsches über die Wechselwirkungen von Johanniskraut und Blutverdünnern. Seiner – wohlgemerkt irrigen – Ansicht nach, gibt es keine Wechselwirkungen. Das stimmt aber nicht. Denn Johanneskraut vermindert nachgewiesener Weise die Wirkung mehrerer Medikamente, unter anderem der Anti-Baby-Pille und eben auch bei Blutverdünnern.
Die 20 getesteten Apotheken liegen alle in Berlin, der Schwerpunkt des Tests war dabei auf fachliche Beratung gesetzt. Insgesamt waren 160 Beratungsgespräche angesetzt. Hierbei sollten die Tester unter anderem Herausfinden, ob Hinweise auf Nebenwirkungen und Wechselwirkungen gemacht werden. Außerdem wurde nachgesehen, ob die Messung des Blutdrucks richtig durchgeführt und interpretiert wird (wofür die Apotheken im Normalfall ja auch Geld verlangen) und ob die Rezepturen in der richtigen Zusammensetzung gemischt wurden.
Vier der 20 Apotheken wiesen nicht auf die Wechselwirkung zwischen Johanniskraut und Blutverdünner hin. Auch den Lichtschutzfaktor von Sonnenmilch und Sonnencremes konnten so einige Apotheker nicht erklären – und das in einer Zeit, in welcher der Hautkrebs immer mehr zur Bedrohung wird.
Zwei der 20 Apotheken schnitten deshalb nur mit „ausreichend“ ab. Gleich acht bekamen ein „mangelhaft“ als Gesamtbewertung. Das sind immerhin gleich vierzig Prozent aller getesteten Apotheken. Eine einzige Apotheke konnte den Test mit einem „gut“ bestehen. Die Stiftung Warentest sagt dazu das Passende: “Das Testergebnis kann nicht zufriedenstellen - Anspruch und Wirklichkeit klaffen zum Teil stark auseinander”.
Wo ein Test der Stiftung Warentest schlechte Noten zutage bringt, treten natürlich auch umgehend die Kritiker auf den Plan. So auch Otto Späth, der Präsident des Bundesverbands Deutscher Apotheker. Seiner Meinung nach ist das Ergebnis des Apotheken-Tests nicht repräsentativ. “20 von 22.000 Apotheken herauszupicken kann nicht als repräsentativ gelten.”, meint er dazu. NUR: Jeder Mensch, der mehr als einmal in seinem Leben in einer Apotheke war, kennt solche mangelhaften Beratungsgespräche, falls sie überhaupt erfolgen. Ich selbst habe mehrfach die Erfahrung machen können, dass Apotheker Fragen entweder abblocken, sie übergehen oder manchmal eben auch das Falsche erzählen. Besonders drastisch ist es dann, wenn man in einer Apotheke nach einem Präparat fragt, das aber auf keinen Fall einen bestimmten Wirkstoff enthalten darf, da man diesen nicht verträgt. Dabei ist es mir zwei Mal passiert, dass ich dann im Nachhinein, zum Glück vor der Einnahme, feststellen musste, das genau dieser Stoff in dem mir verkauften Medikament enthalten war.
Nein, die zum Teil sehr mangelhafte Beratung und die Unkenntnis der Apotheker ist nicht der Einzelfall von 20 Apotheken in Berlin. Sie gehört leider zum Tagesbild deutscher Apotheken. Nicht zu allen, es gibt sehr rühmliche Ausnahmen. Aber hier ist es eben so, wie es fast immer der Fall ist: Die Ausnahmen bestätigen die Regel…
