Arzneimittelmissbrauch durch Kinder und Jugendliche
Ein schweres Thema, und auch eines, das gerne ausgeblendet wird. Bei Erwachsenen wird nicht darüber geredet, bei Kindern und Jugendlichen existiert Arzneimittelmissbrauch schlichtweg nicht – angeblich. Am heutigen Donnerstag ist nun ein Film im Kino gestartet, der sich unter anderem dieses Themas annimmt. Jugendliche, die ihre Probleme durch irgendwelche Pillen und Tabletten beseitigen wollen, weil ihnen einfach kein Mensch zuhört. Verschrieben werden genau diese Pillen und Tabletten, allesamt in der Gruppe der Psychopharmaka angesiedelt, von Erwachsenen, die längst verlernt haben, was es heißt, einem anderen Menschen zuzuhören und ihn als Ganzes wahr zu nehmen.
„Charlie Bartlett“ ist eine Komödie, und auf den ersten Blick unterscheidet diesen Film nichts von den tausenden anderen High School-Komödien, die seit Jahrzehnten durch die Kinos dieser Welt geistern. Dennoch ist „Charlie Bartlett“ anders. In ihm wird deutlich gemacht, dass nicht die Jugendlichen das Problem sind, sondern die Welt, die sie einfach schlichtweg übersieht und ihren Ängste und Problemen und aber auch Träumen keinen Raum gibt. Nur zu gerne wird nicht nur im fernen Amerika inzwischen gerne zum Rezeptblock gegriffen, wenn ein Kind oder ein Jugendlicher nicht mehr mit dem Leben klar kommt. Dabei kann das maximal eine Zwischenlösung sein, niemals jedoch das Ziel einer Behandlung.
„Charlie Bartlett“ scheint uns zurufen zu wollen: Hört einander wieder zu, nehmt einander wieder wahr, überseht einander nicht. Und all das auf eine Art und Weise, die uns zum Lachen bringt, aber auch zum Nachdenken. Über die Schiene des Humors wird oft der Ernst des Lebens transportiert, und genau das macht dieser Film. Ein sehr sehenswerter Film, mit Lachgarantie und auch nachdenklichen Szenen. Wir können die Menschen einander wieder näher bringen, auch die Generationen, die so oft den Draht zueinander verloren haben, wenn wir ein offenes Ohr haben. Auch für das, was oftmals ungesagt bleiben möchte, weil man keine Worte findet dafür. Medikamente sind, wie auch jede andere Sucht, niemals eine Lösung. Die Probleme werden nicht einfacher davon, ganz im Gegenteil. Vielleicht mag die Welt einem für einen Moment oder eine Stunde oder gar einen Tag rosarot erscheinen, aber wenn die Wirkung des Medikaments verflogen ist, sieht sie dann umso grauer aus.
