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Eigenverantwortung ja – die Politik darf es nur nicht übertreiben

Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder hat den Begriff Eigenverantwortung, der seit 2004 auch im Duden zu finden ist, fast schon inflationär verwendet. Inzwischen hat das Wort für die meisten Bundesbürger einen faden Beigeschmack bekommen. Zwar weiß fast jeder, dass man ohne eigenverantwortliche Vorsorge insbesondere für das Alter später nicht sonderlich weit kommt. Langsam aber sicher ist allerdings ein Punkt erreicht, an dem das gebetsmühlenartige Predigen der Forderung nach Eigenverantwortung viele über Gebühr strapaziert. Wie die Deutschen genau dazu stehen, wollten die KarstadtQuelle Versicherungen und das Marktforschungsinstitut Psychonomics AG aus Köln wissen.

Dass sie bereit seien und um die Notwendigkeit wüssten, selbst etwas für die Erhaltung und Sicherung des Lebensstandards unternehmen zu müssen, sagten rund 90 Prozent. Gleichzeitig deuteten 72 Prozent an, dass es ihnen langsam zu viel wird. „Wenn in der Politik von mehr Eigenverantwortung die Rede ist, geht es nur darum, dem Bürger ans Geld zu gehen“, so der Tenor. Verärgert zeigten sich viele, dass immer nur Forderungen aufgestellt, aber keine Lösungsvorschläge unterbreitet würden. Kein Wunder, dass sich rund ein Drittel überfordert fühlen. Von den sozial schwachen Haushalten, deren Nettoeinkommen unter 1.000 Euro im Monat liegt, seien 82 Prozent nicht in der Lage, private Vorsorge zu betrieben. Selbst 29 Prozent der Besserverdiener, die mehr als 3.000 Euro im Monat zur Verfügung haben, fehle nach eigener Aussage das Geld, um mehr zu machen.

Fehlt die Bereitschaft zur Eigenverantwortung, fehlt häufig auch das Vertrauen in die Politik. Besonders die Geringverdiener sind eher kritisch und sagen zu 50 Prozent, dass sie der Politik und dem Staat nicht mehr vertrauten. Insbesondere die Altersklassen von 41 bis 55 Jahren haben Angst, dass ihre bisherigen Einzahlungen in die gesetzliche Rentenkasse nicht mehr in einer akzeptablen Rente münden. Sie würden zudem durch die Kosten für die Ausbildung der Kinder und die Versorgung der Eltern belastet. Den Versicherungsgesellschaften geht es nicht besser. Auch ihnen bringen nur wenige Vertrauen entgegen und befürchten, dass Konzern- über Kundeninteressen gestellt werden. Ein weiteres Problem: Kaum einer blickt noch durch beim Markt für die private Altersvorsorge und fühlt sich nicht in der Lage, ein passendes Produkt auszuwählen.

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