Das Gesundheitssystem am Abgrund – Die Kostenexplosion in den USA
Während in Deutschland immer noch, trotz steigender Kosten für die Patienten, eine gute medizinische Versorgung gewährleistet ist, sieht es in den USA ganz anders aus. Das dortige Gesundheitssystem sorgt schon seit vielen Jahren immer wieder für Unmut seitens der Bevölkerung, aber auch seitens mancher Politiker. Kosten, die bei uns die Gesetzliche Krankenkasse oder die Private Krankenversicherung übernehmen, müssen dort oftmals selbst getragen werden. Dazu kommt, das mehr als 15 Prozent der US-Amerikaner gar keine Krankenversicherung haben, was – in Zahlen genannt – immerhin 47 Millionen Menschen sind.
Die USA sind ja immer ein wenig anders gewesen und haben unserer Sozialen Marktwirtschaft, die in diesem Jahr ihr 60jähriges Jubiläum gefeiert hat, die Freie Marktwirtschaft entgegengesetzt. Das bedeutet: Kein Einwirken des Staates in wirtschaftliche Belange. Das funktioniert nicht immer, wie man jetzt bei der Finanzkrise sehen kann, bei der die US-Notenbank durchaus eingreifen musste und muss, um ein finanzielles Fiasko unvorstellbaren Ausmaßes zu verhindern. Auch im Bereich der Gesundheit gibt es deshalb keine einheitlichen Regelungen. Zwar gibt es auch Krankenversicherungen, die unseren ähneln. Aber es gibt keine gesetzlichen Grundlagen, die für alle Bundesstaaten der USA gelten. So können sich einkommensschwache Menschen kaum mehr eine Krankenversicherung leisten und stehen dadurch außen vor. Eine Absicherung über die Arbeitsagentur oder das Sozialamt, wie es bei uns der Fall ist, gibt es dort nicht, weshalb viele Menschen sich kaum oder gar nicht mehr behandeln lassen können.
Während hier jeder das Recht auf eine medizinische Notversorgung hat, gibt es diese Regelung in den USA nicht. Und nun stehen im November die Wahlen des neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika an, und genau dieses Thema rückt jetzt in das Licht des Wahlkampfs. Barack Obama und John McCain sind sich jedoch nur in einem Punkt wirklich einig: Die Kosten im Gesundheitssystem müssen gesenkt werden, wie auch immer. Denn nicht nur in der mangelnden Versicherung vieler Nordamerikaner liegt das Problem, sondern auch noch in den anderen Kosten, die das Gesundheitssystem in den USA immer mehr in die Knie zwingen. Zu viele hochtechnisierte, aber zu teure Apparate werden bei den Untersuchungen verwendet, auch da, wo es nicht nötig ist. Zudem wird beklagt, dass die Ärzte zu viele unnötige Untersuchungen anberaumen, die ins Geld gehen. Aber auch seitens der Versicherungen wird für ein Mehr an Kosten gesorgt. Der hohe Aufwand in der Verwaltung lässt die Ausgaben auch in diesem Bereich immer höher steigen. Außerdem sind die Leistungen für die Versicherten nicht gerade üppig, da es an Konkurrenz zwischen den einzelnen großen Versicherungen mangelt und sich diese daher kein Bein ausreißen, um durch bessere Leistungen neue Kunden zu gewinnen.
Barack Obama möchte durchsetzten, dass binnen der nächsten vier Jahre jeder einzelne Amerikaner eine Krankenversicherung hat. Sollte dies nicht gelingen, ist er der Ansicht, der Staat habe die Aufgabe, durch das Gesetz entsprechende Auflagen zu machen. Diese sollten dann dazu führen, dass jeder Bürger der USA wie auch jedes dort ansässige Unternehmen zum Abschluss der so wichtigen Krankenversicherung verpflichtet ist. McCain hat gleich zwei andere Vorhaben im Kopf. Zum einen will er den Konkurrenzkampf zwischen den einzelnen Krankenversicherungen stärken, so dass diese über ihren eigenen Bundesstaat hinaus tätig sein dürfen. Außerdem will er den Bürgern der USA ein Steuergeschenk machen, wenn sie Mitglied einer Krankenversicherung werden.
Dies sind zwei völlig unterschiedliche Wege. Welcher von beiden der richtige sein mag, kann auf den ersten Blick nicht gesagt werden. Denn jetzt ist noch die Zeit des Wahlkampfes. Wie viel der zukünftige Präsident der USA, sei es John McCain oder Barack Obama, dann auch wirklich von seiner Wahlkampfstrategie umsetzen wird, wird sich erst in den Monaten und Jahren nach seiner Einsetzung in das Amt zeigen. Sicher ist jedoch eines: Das Gesundheitssystem in den USA braucht nötiger denn je eine Reform. Ob es einen „Retter“ finden wird in einem der beiden Kandidaten? Wir hoffen es, wissen werden wir es erst in einigen Jahren.
