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Dienstag, September 23, 2008

Der deutsche Bankkunde zieht Konsequenzen

Das Dilemma um die deutschen Banken ist nichts Neues. Die Folgen der amerikanischen Finanzkrise machen ihre Situation lediglich öffentlicher: alle Banker – von der Vorstandsetage bis zum Angestellten am Schalter – brauchen mehr Fingerspitzengefühl, Geduld und bessere Nerven.

Schon in den letzten Jahren war der Bestandskunde überwiegend unzufrieden mit Beratung und Kundendienst seines Kreditinstituts. Untersuchungen, die hierzu bereits vor dem Zusammenbruch der Finanzmärkte von Stefan Schön, einem Bankexperten der Steria Mummert Consulting, erhoben wurden, sprechen eine klare Sprache: die Bereitschaft der Kunden, auch kurzfristig zu einem anderen Institut zu wechseln, liegt bei 60 Prozent. Sicherlich nehmen diese Zahlen noch zu angesichts der weltweiten Erschütterungen in der Finanzbranche. Denn nun beäugt der Bankkunde wohl noch kritischer das Tun und Lassen seiner Bank, und Vertrauen als Grundlage aller Geldgeschäfte steht auf dem Prüfstand.

Aktuelle Fakten beweisen, wie wenig sich der Kunde heute noch als König fühlt. Das Münster Research Institute stellt gemeinsam mit der Zeppelin Universität Friedrichshafen in ihrem „MRI Vertrauensbarometer Deutschland“ fest, dass 70 Prozent der Befragten den Banken und Anlageinstituten jetzt nur noch sehr wenig Vertrauen entgegenbringen. Ausserdem haben 63 Prozent aller Bankkunden den Eindruck, den Angestellten fehle die nötige Fachkunde, um sie gut zu beraten. Das klingt ebenso erschreckend wie das Ergebnis, dass viele nicht von der Ehrlichkeit der Banker überzeugt sind. Dabei bilden gegenseitiges Vertrauen, Offenheit und Ehrlichkeit doch das unerlässliche Fundament jeglicher Geldgeschäfte.

Mehr denn je braucht deshalb heute die Finanzbranche wirksame und rasch einsetzbare Mittel, um den Vertrauensverlust einzudämmen. Ob ihr das mit sogenannten „Frühwarnsystemen“ gelingt, die abwanderungsbereite Kunden rechtzeitig erkennen, bleibt jedoch fraglich. Immerhin legt der Bürger sein Maßband nicht nur an die breite Palette vielversprechender Finanzprodukte, sondern um die Taille des gesamten deutschen Banksystems. Ohne mehr Transparenz im Bankbereich und harte Überzeugungsarbeit bleibt König Kunde weiterhin ein Wanderer in der Finanzwelt.

Posted by Paul on 09/23 at 03:13 AM
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