Deutscher Ring wird zerschlagen
Wenn zwei sich streiten, fürchten die Dritten um ihren Job. Das Versicherungsunternehmen Deutscher Ring soll jetzt doch „zerschlagen“ und zwischen der Schweizer Bâloise und der Signal Iduna aufgeteilt werden. Während die Konzerne ein 70-seitiges Papier aufgesetzt haben, steht eine Einigung mit dem Betriebsrat noch aus. Er fordert langfristige identische Garantien für alle Mitarbeiter, was vor allem den Schweizern eher ein Dorn im Auge ist.
1985 war die Basler Versicherungsgruppe in das Hamburger Unternehmen Deutscher Ring eingestiegen und übernahm die Sparten Sach- und Lebensversicherung. Keinen Zugriff hatten sie auf den Krankenversicherungsverein, weil er den Mitgliedern gehört. Drei Sparten, ein Unternehmen, lautete auch fortan die Devise. Bis zum Versuch der Bâloise, ihre beiden Sparten aus dem Deutschen Ring zu nehmen. Dazu wurde 2008, wenig populär, der Chef des Rings, Wolfgang Fauter, entlassen. Gegenwehr kam von der privaten Krankenversicherung innerhalb der Gruppe. Sie war gegen eine Zerschlagung und stand hinter Fauter.
Das Ergebnis der Streitigkeiten im November 2008: Die PKV des Deutschen Rings ging zur Dortmunder Signal Iduna, die auch bereit gewesen wäre, die beiden anderen Sparten zu übernehmen. Dass der Schweizer Konzern dieses Ansinnen ablehnen würde, war abzusehen. Dafür hat die Signal Iduna nun knapp die Hälfte des Rings in ihrer Hand und besitzt auch die Aktienmehrheit am Finanzvertrieb OVB. Zudem öffnete das Unternehmen seine Pforten ganz weit für die Verkäufer, die am Markt sehr begehrt sind. 590 Stammvermittler gab es beim Deutschen Ring. 250 folgten dem Ruf aus Dortmund. 50 weitere wollen es ihnen gleichtun, heißt es. Dafür nimmt die Signal Iduna sogar Strafzahlungen in Kauf, sollte sie die vereinbarte Quote übertreffen.
Bleibt die Frage, was mit den Mitarbeitern passieren wird. 1.400 sind es insgesamt. 808 gelten als „Zebras“, weil ihre Verträge sowohl mit der Bâloise als auch mit der Signal Iduna geschlossen wurden. Sie sollen demnächst nur noch einen Arbeitgeber haben und auf die beiden Konzerne verteilt werden. „Ohne eine Verhandlungslösung mit dem Betriebsrat ist eine Entflechtung nicht möglich“, sagt die Betriebsratsvorsitzende, Helga Reichow. Sie setzt darauf, dass die Arbeitsverträge in Hamburg erhalten bleiben. Die Dortmunder sehen darin keine Schwierigkeit. Die Schweizer hingegen wollen die Sparte in Bad Homburg bündeln. Was passiert und ob die Mitarbeiter sich wehren, zeigen die kommenden Wochen.
