Die Allianz will den Verkauf der Dresdner Bank angeblich in trockene Tücher bringen
Die Mutter möchte die ungeliebte Tochter ziehen lassen und sucht nur noch nach einem passenden Partner für den Nachwuchs. Um nicht gänzlich die Kontrolle zu verlieren, schließlich hat man sich jahrelang um das Kind bemüht, bleibt die Tür einen Spalt weit offen. So ähnlich verhält es sich derzeit beim Allianz-Konzern, dem die Dresdner Bank schon seit einigen Jahren die Bilanz verhagelt. Lieber gestern als heute möchte man sich von dem Spross trennen, den man seit 2001 an seiner Brust nährt. Glaubt man dem Branchen-Tratsch, könnte am Wochenende alles in trockene Tücher gebracht werden. Sowohl der Aufsichtsrat der Allianz als auch das Kontrollgremium der Commerzbank haben angeblich Treffen anberaumt.
Damit stehen alle Zeichen auf eine Übernahme der Dresdner durch die Commerzbank, wenngleich keines der beteiligten Unternehmen sich dazu äußern wollte. Mit im Rennen ist noch die China Development Bank. Auch sie hat Interesse gezeigt. Ob sie Chancen hat, dazu schweigen die Buschtrommeln. Durchgesickert ist allerdings, dass der Allianz-Konzern sich nicht ganz von der Bank trennen sondern einen Anteil von unter 30 Prozent halten wird. Investoren hatten die Versicherungen immer wieder dazu aufgefordert, die mit dem Bankgeschäft verknüpften Risiken zu minimieren. Dieser Bitte kommt man nun offensichtlich nach, zumindest stimmen die Vorzeichen.
Seit zwei Monaten werden die Bücher der beiden Bankhäuser geprüft und macht sich jeder einen Eindruck vom anderen. Normalerweise bedarf dieses gegenseitige „Beschnuppern“ sechs bis zehn Wochen, schließlich gilt auch für den Finanzbereich: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet.“ Für Branchenexperten heißt das, lange kann es nicht mehr dauern, bis eine Entscheidung gefallen ist. Vor allem aber müssten sich jetzt langsam die pro und contra für einen Zusammenschluss finden lassen. Als größtes Problem gilt die Bewertungsfrage. Übernommen wurde die Dresdner Bank für 24 Milliarden Euro, bewertet wird sie mit maximal neun Milliarden Euro und in den Büchern der Allianz steht sie angeblich mit 16 Milliarden Euro. Hinzu kommt der operative Verlust von 566 Millionen Euro bei der Dresdner Bank im zweiten Quartal, das die Commerzbank mit schwarzen Zahlen abschloss.
Die mögliche Übernahme wird nicht nur von der Branche, sondern auch von den Arbeitnehmer-Vertretern mit Argusaugen beobachtet. Sie fordern, dass es bei keiner der beiden Banken betriebsbedingte Kündigungen geben dürfe. Zu wünschen wäre es. Allerdings vermuten Experten, dass viele der insgesamt 50.000 Jobs wegfallen werden. Gleich, wie es ausgeht: Ginge die Dresdner an die Commerzbank, hätte die Allianz mit einem Anteil von 30 Prozent zugleich einen neuen Vertriebspartner mit gut ausgebautem Filialnetz gewonnen. Entstehen würde eine Bank mit einer Bilanzsumme von 1,11 Billionen Euro. Unangefochten an der Spitze bleibt die Deutsche Bank, die auf zwei Billionen Euro kommt.
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