Die zwei Seiten der Lebensversicherung
Da leuchten die Augen der Versicherer: 90 Millionen Policen und steigende Beitragseinnahmen. Die kapitalbildende Lebensversicherung erweist sich nach wie vor als eine der Säulen der Branche und wird vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in den schönsten Farben gemalt: „Mit einer klassischen Lebensversicherung, die garantierte Leistungen und eine Überschussbeteiligung bietet, hat man auch in Zeiten von Finanzkrisen und sinkenden Kursen nie schlaflose Nächte.“ Hört sich gut an. Doch es gibt auch die Kehrseite der Medaille.
So macht der Bund der Versicherten (BdV) darauf aufmerksam, dass der Kunde nur dann kein Verlustrisiko trage, wenn „er den Vertrag bis zum Ende durchhält“. Heißt: Wer vor dem vereinbarten Vertragsende die Reißleine zieht und sich den Rückkaufwert auszahlen lässt, muss mit finanziellen Einbußen rechnen. Der BdV gibt außerdem zu bedenken, dass nicht jeder Cent, den Verbraucher in ihre Kapital-Lebensversicherung einzahlen, auch verzinst wird. Ein Teil des Geldes fließt in den Todesfallschutz und geht für Gebühren drauf – zum Beispiel die Vertriebs- und Verwaltungskosten. Wie hoch diese Kosten sind, lässt sich allerdings nur schwer erkennen.
Daher möchte der GDV auf Dauer für mehr Transparenz sorgen und rät den Unternehmen, eine Gesamtkostenquote auszuweisen. Das wäre ein erster Schritt. Allerdings wartet auf die Branche ein weitaus größeres Problem: Die Garantieverzinsung sinkt zum 1. Januar 2012 von derzeit 2,25 auf 1,75 Prozent. Experten rechnen damit, dass die Lebensversicherer aktiv werden und vor dem Zinsschnitt neue Kunden gewinnen wollen. Der BdV empfiehlt Interessenten: „Bevor eine Lebensversicherung abgeschlossen wird, sollte erst der eigene Versicherungsschutz auf den Prüfstand gestellt werden.“ Wichtig sei, dass existenzielle Risiken abgesichert sind, zum Beispiel durch eine Privathaftpflichtversicherung, eine Hausratpolice und eine Berufsunfähigkeitsversicherung.
Beachtet werden sollte darüber hinaus, dass der Beitrag für die Lebensversicherung dauerhaft gezahlt werden kann. Anderenfalls ist die vorzeitige Kündigung fast schon vorprogrammiert - nahezu jede zweite Police ereilt dieses Schicksal. Hinzu kommen viele Verträge, die auf dem Zweitmarkt verwertet werden. Gerade angesichts der sich abzeichnenden Krise überlegen immer mehr Verbraucher, ihre Lebensversicherung zu verkaufen. Eines der Unternehmen, das die Policen übernimmt, verzeichnete seit Juli Anfragen im Wert von über 100 Millionen Euro.
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