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Montag, November 14, 2011

Enormer Schaden durch die vorzeitige Kündigung von Lebensversicherungen

Eine Lebensversicherung zu kündigen geht immer mit Verlusten einher. Selbst wenn man die Police verkauft, statt den Vertrag einfach nur zu stornieren, steht unter dem Strich ein deutlich geringerer Betrag als die Summe, die man im Laufe der Jahre eingezahlt hat. Wie hoch der Schaden genau ist, muss zwar nach wie vor individuell berechnet werden. Möchte man sich ein Bild von den Dimensionen machen, reicht ein Blick auf die aktuelle Studie von Professor Dr. Andreas Oehler von der Universität Bamberg. Seinen Berechnungen zufolge sind in den vergangenen zehn Jahren 160 Milliarden Euro gewissermaßen in Rauch aufgegangen.

Basis für seine Berechnungen waren 1.115 Fälle, in denen Kunden ihre Lebensversicherung – darunter auch Rentenversicherungen und fondsgebundene Policen – gekündigt hatten. Ausgehend von einer Gesamtstornoquote von sechs Prozent, die der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) nennt, einer moderaten Verzinsung der Beiträge, wie sie Bundesobligationen bieten, und den Kosten für den Risikoschutz ergibt sich die unglaubliche Zahl von 16 Milliarden Euro pro Jahr. Je Vertrag rechnet der Experte im Schnitt mit einem Verlust in Höhe von etwa 4.000 Euro.

Anlass, sich näher mit den finanziellen Konsequenzen zu befassen, war die hohe Zahl der Vertragsabbrüche. Laut Prof. Oehler werden mehr als 75 Prozent aller Lebensversicherungen, die über 30 oder mehr Jahre abgeschlossen wurden, vorzeitig gekündigt. Bei einer Laufzeit von 20 Jahren sind es immerhin noch 55 Prozent. „Die Gründe für den Ausstieg reichen von zu hohen monatlichen Belastungen bis zu übertrieben langen Laufzeiten“, sagt die Hamburger Verbraucherschutzsenatorin Cornelia Prüfer-Storks. Sie verlangt, dass Kunden ausreichend und verständlich über die Vor- und Nachteile informiert werden. Damit stößt sie ins gleiche Horn, mit dem die Verbraucherzentralen schon seit Jahren auf die Probleme aufmerksam machen.
„Die Verbraucher sparen sich das Geld für ihre private Vorsorge oft vom Munde ab. Doch im Alter steht es ihnen nicht zur Verfügung“, ärgert sich zum Beispiel Günter Hörmann von der Verbraucherzentrale Hamburg. Gerd Billen vom Bundesvorstand spricht von „dramatischen Missständen“. Er fordert eine Finanzaufsicht, die auch den Schutz der Verbraucher zum Ziel hat, damit unfaire Vertriebsmethoden endlich unterbunden werden.

Posted by Andre on 11/14 at 10:43 AM
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