Ergo-Konzern versicherte einen Terroristen
Der Ergo-Konzern ist in diesem Jahr schon öfter negativ aufgefallen und jedes Mal gab es eine mehr oder weniger plausible Erklärung für den Fauxpas bzw. wurden Konsequenzen gezogen. Der neue dunkle Schatten, der sich jetzt über die Gesellschaft legt, konkret über die Victoria Versicherung, wird sich nicht mit wenigen Worten beiseite schieben lassen. Dafür ist der Fall zu brisant, dürfte auch international auf Kritik stoßen und schadet dem Ansehen vermutlich mehr als die bisherigen Fehltritte. Die Assekuranz hat, obwohl sie von den Absichten des Kunden wusste, einen Terroristen versichert.
Der Verfassungsschutz hatte die Victoria Versicherung darauf aufmerksam gemacht, dass es sich bei Abu Shaweeshs nicht um einen x-beliebigen Kunden handelt, sondern um eine Person, die auf der Terrorliste der Vereinten Nationen steht. Der Mann ist im Netzwerk des Top-Terroristen Abu Musab al-Zarqawi aktiv, der für Dutzende Bombenattentate mit über 700 Toten verantwortlich gemacht wird. Trotz dieses Hintergrundwissens blieben die meisten Policen bestehen, die der Terrorist im September 2004 unterschrieben hatte. Darunter eine Haftpflichtversicherung über zwei Millionen Euro. Die entsprechenden Unternehmensaufzeichnungen liegen dem Handelsblatt vor, das den Skandal jetzt ans Tageslicht brachte.
Selbst der Versicherungsagent, der die Verträge unter Dach und Fach gebracht hatte, bat darum, die Policen zu kündigen. Ohne Erfolg. Auf dem Ohr waren die Vorgesetzten offenbar taub – auch dazu verfügt das Handelsblatt über eine eidesstattliche Versicherung. Abgeschlossen worden waren die Verträge, um mit einem vorgetäuschten Unfall und einem gekauften Totenschein ordentlich zu kassieren und mit dem Geld Anschläge im Namen von El Kaida zu finanzieren. Gekündigt wurde letztlich nur die Lebensversicherung des Terroristen. Mehr passierte seinerzeit nicht. Abu Shaweesh blieb bis Dezember 2006 aktiver Kunde.
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ist empört. „Versicherung dürfen keine Geschäfte mit Terroristen machen“, so Christian Lübke vom GDV. Ähnlich äußerte sich auch der Bund der Versicherten gegenüber dem Handelsblatt: „Wenn es Hinweise für einen geplanten Betrug gibt, muss der Versicherer natürlich handeln. Es kann ja nicht sein, dass ein Terrorist sich für den Bau einer Bombe einen Haftpflichtversicherungsschutz besorgt und die Versicherungsgesellschaft einfach zusieht.“ Die Ergo selbst sagt nur, man halte sich an die Vorgaben zur Bekämpfung der Terrorismusfinanzierung.
