Fast Milliardenminus bei den Krankenkassen
Im ersten Halbjahr machten die Krankenkassen ein Minus von 800 Millionen Euro. Das Gesundheitssystem in unserem Land kostet seinen Preis, auch wenn viele Ausgaben wohl unnötig sind, wie es scheint. Durch das hohe Minus könnte es zu einer Erhöhung des Beitragssatzes beim Gesundheitsfonds kommen. Noch war die Rede von 15,5 Prozent, jetzt rechnen einige Kassenexperten inzwischen mit bis zu 15,8 Prozent Beitrag. Der Verlust der Kassen kann nur von jenen gezahlt werden, die auch dort Mitglied sind. Und genau jene Mitglieder sind es dann, die auch für die Verluste bluten müssen. So haben die GKV, die Gesetzlichen Krankenkassen, ein Minus von mindestens 800 Millionen Euro hinter sich gebracht.
Die Innungskrankenkassen und auch die Ersatzkassen hatten längst ihr Defizit verkündet. Nun legten auch die Betriebskrankenkassen innerhalb der GKV nach, immerhin mehr als 170 verschiedene Kassen. Das Gesamtdefizit der Betriebskrankenkassen beträgt 277 Millionen Euro, wie der BKK-Spitzenverband heute bekannt gab. Damit stieg das Minus um immerhin 91 Millionen Euro. Das Ergebnis fällt also fast ein Drittel schlechter aus als das Halbjahresergebnis des Vorjahreszeitraums.
Das Schlimme ist, dass die Zahlen der ersten sechs Monate dieses Jahres für den bundeseinheitlichen Beitragssatz maßgeblich sind. Dieser wird im Oktober von der Bundesregierung festgesetzt und richtet sich unter anderem nach dem Defizit der Gesetzlichen Krankenkassen im ersten Halbjahr 2008. Und das wurde unter anderem durch Steigerungen im Preis für Medikamente und Klinikaufenthalte, wie auch durch mehr Leistungen beim Krankengeld und für Vorsorgeleistungen erzeugt. Dadurch geraten die Kassen der GKV immer mehr unter Druck.
So gingen die Ersatzkassen mit einem Defizit in Höhe von 328 Millionen Euro in den ersten sechs Monaten dieses Jahres in das zweite Halbjahr 2008. Damit lag das Minus um mehr als drei Mal höher als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Und auch die Innungskrankenkassen, die in der IKK vertreten sind, hatten im ersten Halbjahr ein Defizit von 216 Millionen Euro. Der Bundesknappschaft erging es auch nicht anders. Auch hier kam es zu einem Minus von 59 Millionen Euro. Lediglich bei den Krankenkassen der AOK, den Allgemeinen Ortskrankenkassen (15 an der Zahl), sieht es besser aus. Diese konnten ihr Defizit umkehren in ein – leichtes – Plus von immerhin zehn Millionen Euro im zweiten Quartal dieses Jahres.
Das jetzige Defizit von 800 Millionen Euro zeigt immerhin einen besseren Stand der Gesetzlichen Krankenkassen als im ersten Quartal. Hier lag das Minus noch bei mehr als einer Milliarde Euro. Die Krankenkassen konnten also aufholen. Wie es am Ende dieses Jahres sein wird, kann noch niemand voraussagen. Das vollständige Gesamtergebnis der GKV für das erste Halbjahr 2008 wird aller Voraussicht nach im Laufe der kommenden Woche vom Bundesgesundheitsministerium veröffentlicht.
