Forderungen nach dem Abschied von der gesetzlichen Krankenversicherung mehren sich
Ideen und Konzepte, wie das Krankenversicherungssystem in der Bundesrepublik Deutschland effektiver gestaltet werden könnte, gab es schon viele. Die SPD forderte eine Bürgerversicherung, die CDU sprach sich für eine Gesundheitsprämie aus. Jetzt mischen auch die Liberalen mit. Sie fordern, die gesetzliche Krankenversicherung ganz abzuschaffen und allen Bürgern den Weg in eine private Versicherung zu öffnen. Ziele sind mehr Wettbewerb unter den Versicherern und größere Wahlfreiheit für die Versicherten. Die „Neue Osnabrücker Zeitung“ spricht von einem diskussionswürdigen Konzept, das etliche Fragezeichen aufwirft.
Dabei ähnelt das theoretische Modell, das die FDP malt, in vielen Zügen den Vorschlägen des Otto-Wolff-Institutes. Die Ökonomen haben ein Konzept für eine Bürgerprivatversicherung entwickelt. Sie fordern darin ebenfalls den Abschied von der gesetzlichen Krankenversicherung in ihrer jetzigen Form. Ihrer Ansicht nach kann das bestehende System die zukünftigen Herausforderungen nicht bewältigen. Dazu zählen neben den demographischen Veränderungen auch die steigenden Kosten im Gesundheitssystem. Um besser für die Zukunft gerüstet zu sein, müsse man sich am System der privaten Krankenversicherung orientieren. Dass es kein leichtes Unterfangen ist, weiß auch Ökonomieprofessor Dr. Johann Eekhoff, der das Konzept in Berlin vorstellte.
Das Solidaritätsprinzip und die vom Einkommen abhängigen Beiträge wären damit passé. An ihre Stelle rückt im Modell des Otto-Wolff-Institutes eine einheitliche Gesundheitspauschale. Versicherte, die finanziell nicht in der Lage sind, den Betrag aufzubringen, sollen Zuschüsse ähnlich dem Arbeitslosengeld II erhalten. Damit dieses Modell überhaupt funktioniere, müsse die individuelle Altersrückstellung übertragbar sein. Nur so könne ohne finanzielle Einbußen die Krankenkasse gewechselt werden. Gleichzeitig werde der Wettbewerb angekurbelt, bei dem es dann nicht nur um gesunde Kunden gehe. Laut Wirtschaftswissenschaftler Martin Nell sei es ohnehin an der Zeit, dass die PKV sich weiterentwickle.
Ob dieses Konzept überhaupt umsetzbar ist, daran hat Heinz-Werner Richter vom Vorstand der Barmenia noch erhebliche Zweifel. Als PKV-Vertreter erklärte er, dass die Branche sich durchaus Gedanken um neue Modelle mache. Gefordert seien die privaten Krankenversicherungen ohnehin, durch den Basistarif und die Vorgabe des Gesetzgebers, die Altersrückstellungen übertragbar zu gestalten.
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