Fußball EM - Schweizer müssen bei Schäden durch Fußballfans auf Kulanz hoffen
Die Schweizer dürfen nicht mehr auf eine spezielle Vandalismus-Versicherung hoffen, wie sie in Österreich angesichts der bevorstehenden Fußball Europameisterschaften für wenige Euro angeboten wird. Dafür wollen zumindest einige der eidgenössischen Assekuranzen sich ein wenig kulanter zeigen, wenn es durch Ausschreitungen von Fans zu Schäden an Fahrzeugen kommt. Darauf verlassen, dass die Versicherungsunternehmen tatsächlich ein Auge zudrücken, wenn die Scheiben durch Fußtritte zersplittern oder der Lack tiefe Kratzer aufweist, sollten sich die Kunden allerdings nicht. Es ist an ihnen, einerseits die Versicherungsbedingungen sehr genau zu studieren und andererseits dafür zu sorgen, dass sie und ihr Eigentum möglichst unbeschadet die Zeit während der EM überstehen.
Die Zurich-Versicherung hatte anfangs überlegt, ob es sich rentieren könnte, eine eigene Euro-08-Versicherung als Pendant zum Angebot der Wiener Städtischen auf den Markt zu bringen. Die Idee wurde allerdings sehr schnell wieder fallengelassen. Die Nachfrage tendierte laut Unternehmenssprecherin Sonja Giardini gen Null. Andere Schweizer Versicherungen haben sich diesbezüglich weniger Gedanken gemacht und nutzten die Gunst der Stunde auf andere Weise, quasi durch die Hintertür. Sie baten die Kundschaft höflich, die Versicherungspapiere dahingehend zu prüfen, ob der Schutz auch ausreichend ist – in der Hoffnung auf den ein um anderen Neuabschluss. Gleichzeitig verweisen sie darauf, dass es keinen hundertprozentigen Schutz gibt (Allianz Suisse) und das „Schäden, die durch innere Unruhen entstehen, generell von der Versicherungsdeckung ausgeschlossen sind“ (Mobiliar).
Beim Auto sehen die Unternehmen keinen Sinn in einer speziellen Versicherung für die EM. Viele Schäden wie zerstochene Reifen, schädigende Stoffe im Tank oder abgebrochene Spiegel, Scheibenwischer und Antennen seien bereits in der Teilkaskoversicherung enthalten. Das gelte auch, wenn Hooligans das Auto in Brand setzen oder sich an den Scheiben zu schaffen machten. Dass dieser Schutz oft nicht ausreicht, belegt die Studie eines Internet-Vergleichsdienstes. Wird das Auto im Verlauf von Krawall, Tumult oder einer Zusammenrottung mit Farbe verschmiert oder der Lack zerkratzt, sei die Versicherung nicht in der Pflicht. Zudem raten die Unternehmen, alle nur denkbaren Vorkehrungen zu treffen, damit gar nicht erst Schäden auftreten. Konkret heißt das: Das Auto nicht in Gefahrenzonen wie etwa in Stadionnähe abstellen. Kulanz und eine individuelle Begutachtung der Schäden versprechen die Axa Winterthur und die Allianz Suisse. Eine einheitliche Linie wird es in der Schweiz in Versicherungsfragen bei Schäden durch Fußballfans jedoch nicht geben – unter anderem weil dem Versicherungsverband aus wettbewerbsrechtlichen Gründen die Hände gebunden sind und er keine Empfehlungen aussprechen darf.
News • Versicherungen • Kommentar(e): (0) • Trackbacks (0) • Permalink
