Gesundheit - Private Krankenkassen planen Grundversorgung
Vollversicherung weg! - Schwindet der gute Gewinn?!
rbw. Viele private Krankenkassen sehen ihre Rendite schwinden - kommen deswegen schwierige Zeiten? Die Unternehmen flüchten jedenfalls nach vorn! Wie gut, oder besser, wie schlecht ging oder geht es eigentlich den Versicherungen? Wohl eher ziemlich schlecht, wenn aus sich heraus eine Reihe privater Krankenversicherungen (PKV) das derzeitige System aus privaten und gesetzlichen Kassen (GKV) in Frage stellen.
Die Arbeitsgruppe des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) kam in der Folge zu dem Ergebnis: Jeder Kunde möge zunächst eine Basisversicherung abschließen - privat oder auch bei einer gesetzlichen Kasse, jedoch unabhängig von Einkommen, Alter und Gesundheit. Gleichzeitig besteht Kontrahierungszwang, also muss jeder Antrag angenommen werden; wie bei Wasser, Strom und Gas des lokalen Versorgers. Damit würden die Beiträge für alle gleich hoch, für Kinder zahlt der Staat. Weitere Leistungen möge jeder Einzelne in Zusatzversicherungen abdecken. Diskussionen um das ‘Szenario für 2020’ fordern dazu auf, die gesetzlichen Kassen zu privatisieren und auf Kapitaldeckung umzustellen. Die Unternehmen machten hierzu deutlich, sie hätten sich nicht für die Abschaffung der privaten Krankenversicherung zugunsten einer Einheitsversicherung ausgesprochen. Und überhaupt handle es sich “nur” um ein internes GDV-Diskussionspapier. Die Debatte hierzu ist jedoch voll im Gange.
Kosten höher als die Prämien?
Zu schaffen macht den Unternehmen die aktuell gültige Gesundheitsreform: Diese greift mit einem ‘Basistarif’ und dem für den Versicherten möglichem Wechsel zwischen den Versicherern in bestehende Geschäftsabläufe ein. Hohe Beitragsbemessungs- und noch höhere Versicherungs-Pflichtgrenzen für Arbeitnehmer mit über 4000 Euro monatlich versperren den höher Verdienenden den Weg in die PKV. Für den möglichen Wechsel muss seit 2007 ein Arbeitnehmer drei Jahre hintereinander hoch verdient haben. Für Berufsanfänger eine hohe Hürde. Damit bleiben den PKVen deren ‘Lieblingskunden’ weg, und das sind diejenigen, die unbelastet und gesund eintreten und über viele Jahre mehr einzahlen als sie in Anspruch nehmen. Verstärkt wird dieser Mangel dadurch, dass privat Versicherte immer älter und teurer werden, wobei die in die Monatsprämien eingerechneten Euro-Anteile für die Alters-Rückstellungen für den bevorstehenden medizinischen Fortschritt nicht exakt hoch gerechnet wurden. Es fehlt also schlicht an Geld.
In der Summe ein Mangel, den die Versicherer noch aushalten könnten, so der Tenor aus der Branche. Doch die Fortschreibung der Gesundheitsreform kommt spätestens mit dem Ausgang der Bundestagswahl 2009. Sollte danach eine linke Koalition regieren, müsse mit weiteren Einschnitten oder gar mit der Abschaffung der PKVen in ihrer jetzigen Form gerechnet werden, fürchtet ein Versicherungsmanager. Für diesen Fall müsse man vorbereitet sein, weshalb man an den verschiedensten Modellen arbeite.
Künftig Geschäfte mit Zusatzversicherungen
Sind auch die Mit-Spieler in der privaten Krankenversicherung recht unterschiedlich - die führende Debeka hat über zwei Millionen Vollversicherte, die KarstadtQuelle-Versicherung rund 1200 - , so verschieden sind die Modelle, an denen die Unternehmen arbeiten. Noch junge Unternehmen mit wenigen Vollversicherten können sich vorstellen, dass sie sich künftig auf das Geschäft mit Zusatzversicherungen konzentrieren. Traditionsreiche Versicherer mit Hunderttausenden von Vollversicherten halten davon wenig. Erzielt doch die Debeka etwa 85 Prozent ihres Umsatzes mit ihren Vollversicherten. Nicht überraschend also, dass der Verband der PKVen, mit der Debeka 47 Versicherer, das Diskussionspapier des GDV (Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft) ablehnt. Die großen Branchenverbände markieren ihre Positionen recht gegensätzlich.
Was gilt für die versicherten ‘Genossen’?
Eine zweite Kampflinie verläuft zwischen den Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit und den börsennotierten Versicherungskonzernen. Die Vereine, ähnlich einer Genossenschaft, sind Unternehmen, bei denen nicht der Unternehmensgewinn sondern der Schutz der Mitglieder im Vordergrund steht. Ein solches Geschäftsmodell aufzugeben, so die Befürworter der Idee, orientiere sich rein an Aktionärsinteressen und Börsenkursen, so die Chefetage der Continental. Den Konzernen Allianz, Ergo oder Axa reichen bislang geringe Renditen aus der Krankenvollversicherung erkennbar nicht aus. Liegt bei den kleineren Versicherungsvereinen das operative Geschäft bei der Krankenversicherung, ist dieser Bereich bei den großen Konzernen nicht das eigentliche Standbein. Die Vollversicherung aufzugeben, wäre bei dieser Betrachtung zu verkraften.
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