Höhere Renten für Raucher
Ein tiefer Zug an der Zigarette, fettiges Essen – Ärzte schütteln angesichts einer solchen Lebensweise den Kopf und heben mahnend den Zeigefinger. Versicherungen reiben sich hingegen die Hände. Kunden, deren Lebenserwartung aufgrund von zu viel Tabak und Bluthochdruck als eher gering eingestuft wird, sind zumindest bei der privaten Rentenversicherung gerne gesehen und werden jetzt sogar extra umworben. Ihnen machen die Assekuranzen seit einiger Zeit mit Versprechungen über eine höhere Rentenzahlung den Hof.
Die Rechnung der Versicherer ist ganz einfach: Kunden, die lange leben – die durchschnittliche Lebenserwartung steigt stetig – halten auch länger die Hand auf und stellen damit eine enorme finanzielle Belastung dar. Wer aber in Kauf nimmt, aufgrund seiner Nikotinsucht eher zu sterben, kommt in der Regel nur für ein paar Jahre in den Genuss seiner Rente. Ob nun Herzkranke, Diabetiker, Raucher oder Übergewichtige: Sie alle sind plötzlich wesentlich beliebter, geht es rein um die private Altersvorsorge. Damit nicht geschummelt wird, muss der Hausarzt ran. Mit einem Nikotintest kontrolliert er, ob auch ausreichend viel Rauch inhaliert wird.
In Großbritannien sind solche Policen schon seit Jahren erhältlich. Sie richten sich an Nicht-Standardversicherte und nennen sich dort „Non-Standard-Annuities“. Der deutsche Markt ist gerade erst dabei, sich langsam zu entwickeln. Die Anbieter orientieren sich bei ihrer Kalkulation teilweise auch nur an bestimmten Krankheiten. Die LV 1871 bietet zum Beispiel an, den Vertrag so zu gestalten, dass erst mit Eintritt des Krankheitsfalls eine höhere Rente garantiert wird. Höher heißt dann bei einigen Versicherungen sogar doppelt so hoch. Ob es sich dafür lohnt, ungesund zu leben, ist wohl eher fraglich.
Denn spätestens, wenn andere Lebensbereiche abgesichert werden sollen, gibt es echte Probleme. Raucher, die eine Berufsunfähigkeitsversicherung wünschen, und darüber hinaus noch ein paar Pfund zu viel auf den Rippen haben, werden meistens direkt abgelehnt, müssen mehr zahlen oder Leistungsausschlüsse hinnehmen. Ähnlich sieht es bei der privaten Krankenversicherung und Krankenzusatzversicherungen aus. Da heißt es dann abwägen: Mehr Rente oder doch lieber rundum bestens geschützt.
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