Immobilien aktuell
Nicht nur für Schwaben - Die Zeit der kleinen Käufer
Längst hat jeder Erwachsene irgendwie davon erfahren: die Finanzkrise zeigt auch dem deutschen Immobilienmarkt ihre Krallen. Geraten doch die großen Investmentfirmen unter Verkaufsdruck. Ihr Kapitaldienst für Kredite wird deutlich teurer. Dagegen gewinnen andere: Käufer mit deutlich kleinem Budget könnten ordentlich profitieren.
Gravierend ist der Preisverfall bei Häusern und Wohnungen in Großbritannien, und zwar so, dass Immobilieneigentümer zu radikalen Maßnahmen greifen. Selbst Geschäftsleute starten ungeahnte Aktionen: Geht ein Anwesen in der ostenglischen Grafschaft Essex für eine Million Pfund (rund 1,26 Millionen Euro) nicht zu verkaufen, muss halt als Draufgabe der 150 000 Pfund teure Lamborghini des Verkäufers mit ins Paket.
Für den gesamten Markt gilt offenkundig eine depressive Stimmung, und die ist nun mal auch für Makler überraschend.
Eigentümer in Deutschland haben solche Auto-Zugaben noch nicht nötig, um sich von Haus oder Wohnung mittels Kaufvertrag trennen zu können. Eine Spekulationsblase hat es im Gegensatz zu den USA, zu Großbritannien und zu Spanien in der Republik nämlich nicht gegeben. Grund dafür ist, dass
der Markt auch nicht so stark eingebrochen war, so Branchenexperten.
Wenn Risiken sich tatsächlich realisieren lassen, dann für Investorengesellschaften, die in den vergangenen Jahren wahre Kontingente an Wohnungen in Deutschland erworben haben.
Steigen durch die Finanzkrise die Zinsen, wird nun mal die Finanzierung immer teurer. Banken wimmeln ab, weil die realen Sicherheiten im Wert schwächeln.
In der Folge sind die Kauf-Budgets der Investoren kleiner; hohe Preise nicht mehr bezahlbar.
So sind die Preise von Eigenheimen sowie Eigentums- und Mietwohnungen in Deutschland von Anfang Juli 2007 bis Ende Juni 2008 im Schnitt um 2,5 Prozent gefallen.
Bei den privaten Käufern zeigt sich deren Sorge vor einem Wirtschaftsabschwung bei steigenden Energiepreisen. Und auch die Bundesbank muss erkennen: Das Volumen aller Hypothekenkredite in Deutschland ist von 94,4 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2007 auf 87,5 Milliarden Euro in der ersten Jahreshälfte 2008 gesunken.
Eigenheimpreise fallen
Die Preise für Immobilien sind aber nicht auf breiter Front unter Druck geraten. Nach dem Index für Hauspreise der Hypoport AG sank der Wert bestehender Eigenheime seit Januar um 2,4 Prozent von 191.500 Euro auf 187.000 Euro. Dagegen verteuerten sich Eigentumswohnungen im Schnitt um 0,8 Prozent von 137.000 Euro auf 138.130 Euro.
Doch die Preisentwicklung bei Eigenheimen und Wohnungen ist weniger eine Folge der Finanzkrise als vielmehr die der gestiegenen Energie-Preise. Zudem belasten hohen Kraftstoffkosten das Interesse an Eigenheimen in Stadtrandlagen oder auf dem nahen Lande, was zu einer stärkeren Nachfrage nach Eigentumswohnungen in den Stadtzentren führt.
Für die Bundeshauptstadt stieg nicht zuletzt deshalb der durchschnittliche Quadratmeterpreis von Eigentumswohnungen im ersten Halbjahr dieses Jahres wohl auch deswegen von 1360 pro Quadratmeter wenn auch nur knapp auf 1370 Euro.
Wieder entdeckt: der Privatkunde
Wer also eine Immobilie für den eigenen Bedarf kauft und dabei genau sein Haushaltsbudget im Blick hat, wird statt der Investments und Wohn-Paketkäufer auf dem Markt der kleinen Käufer wieder wichtig. Dreißig Prozent der potenziellen Käufer rechnen deshalb auch mit leicht sinkenden Preisen.
Wer allerdings schnell seine Immobilie verkaufen muss oder will, wird jedoch den richtigen Käufer über Preisabschläge suchen müssen. Eher also abwarten rät die Branche, denn jede besondere Konjunkturlage entspannt sich auch wieder.
Und das gilt auch für die Käufer: die besten Zinssätze bei Darlehen für zehn Jahre von effektiv 4,56 Prozent lagen vor einem Jahr später auch nur bei 4,73 Prozent. Im Juli 2008 dagegen lagen die Zinsen für ein Zehnjahresdarlehen zeitweise bei “nur” 5,05 Prozent.
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