Kaum Interesse an privater Pflegevorsorge
Der „Pflegespiegel 2011“, erstellt vom Marktforschungsinstitut YouGovPsychonomic, bescheinigt den Deutschen ein eher gespaltenes Verhältnis zur Pflege. Sie rückt immer erst dann in den Fokus, wenn im Verwandten- oder Bekanntenkreis ein Pflegefall auftritt. Das schlägt sich spürbar auf das Interesse an privaten Pflegeversicherungen nieder. Nur zehn Prozent halten sie für „sehr wichtig“, gerade einmal acht Prozent haben bereits einen Vertrag unterschrieben und lediglich ein Prozent der Bundesbürger spielt mit dem Gedanken, eine Police abzuschließen. Die mögliche Konsequenz dieser Einstellung: Finanzielle Sorgen im Alter.
Genau das möchte die Politik verhindern. Dazu muss allerdings noch sehr viel am Kosten- und Risikobewusstsein gearbeitet werden. Ex-Gesundheitsminister Philipp Rösler hatte 2011 daher zum Jahr der Pflege machen wollen. Ob sein Nachfolger in diese Fußstapfen tritt, bleibt abzuwarten. Sinnvoll wäre es. Denn die Vorzeichen und Prognosen lassen keinen Zweifel daran, dass Pflege und Pflegebedürftigkeit schon in wenigen Jahren eine echte Herausforderung darstellen werden und damit auch die Notwendigkeit einer soliden finanziellen Vorsorge wächst.
Aktuell sind etwa 2,4 Millionen Menschen pflegebedürftig. In knapp 40 Jahren wird sich die Zahl laut erster Hochrechnungen auf fast 4,7 Millionen verdoppelt haben. Das mögliche Szenario fasst Dr. Oliver Gaedeke, Vorstand der YouGovPsychonomics AG, zusammen: „Der schon jetzt knappe Zuschuss für Pflegebedürftige aus der gesetzlichen Absicherung muss in den nächsten Jahrzehnten noch weiter zusammengestrichen werden.“ Damit dürfte das ohnehin schon geringe Vertrauen in die staatlichen Leistungen im Pflegefall auf Dauer nachlassen.
Interessanterweise wären die Deutschen durchaus bereit, Geld in eine private Pflegeversicherung zu investieren, wenn die Zusatzoptionen stimmen. Dabei halten die Assekuranzen bereits eine Reihe von zusätzlichen Leistungen bereit, angefangen bei der Beitragsfreistellung im Pflegefall über den Einschluss von Demenz bis hin zur Übernahme der Kosten für den behindertengerechten Umbau von Haus oder Wohnung. Es mangelt also vor allem am Wissen um die Produkte. Zeit, die Werbetrommel zu rühren. Beste Chancen haben dabei laut Umfrage Allianz, HUK-Coburg, AXA, DEVK, Ergo, HUK24, Debeka, Ergo direkt und die R+V Versicherung.
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