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Dienstag, August 19, 2008

Kosten für Riester-Verträge übersteigen häufig die staatliche Zulage

Für viele Riester-Sparer könnte es ein böses Erwachen geben, wenn sie schwarz auf weiß sehen, dass von den staatlichen Zulagen nicht mehr viel übrig geblieben ist. Die von den Versicherungsgesellschaften erhobenen Verwaltungsgebühren schlucken einen großen Teil der Bonuszahlungen, teilweise verschwinden sie ganz auf den Konten der Konzerne. In einem von „Welt online“ genannten Beispiel – einer Riester-Rente von der BHW-Lebensversicherung – ging auch ein Teil der Einzahlungen flöten. Wer sich die Jahresabrechnung respektive den Kontoauszug für seine private Altersvorsorge nach Riester nicht genau ansieht, bekommt von all dem nichts mit.

Das Beispiel zeigt, wie extrem die Gebühren am Kapital zehren. 2005 zog das Unternehmen 111,17 Euro ein. Der Staat hatte den Vertrag in dem Jahr mit 76 Euro gefördert. 2006 lagen die Kosten bereits bei 164,68 Euro, während die Zulage 114 Euro betrug. Das klingt nicht sonderlich rentabel, gehört im Riester-Geschäft aber zum Alltag. Das wissen auch die Verbraucherschützer. Edda Castello von der Verbraucherzentrale Hamburg sagt: „Viele Riester-Rentenversicherungen sind so teuer, dass die Kosten die staatlichen Zulagen übersteigen. Das konterkariert den Sinn von Riester.“ Es könne nicht sein, dass der Staat durch die Bonuszahlungen die Versicherungswirtschaft alimentiere.

Mit diesem Thema hat sich auch die Frankfurt School of Finance & Management befasst. Sie kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Vier Policen haben die Wissenschaftler auseinandergenommen und auf die Waagschale gelegt. Im Test vertreten waren die Axa TwinStar Rente Invest, die Allianz Riester-Rente mit Fonds und Garantie, die Nürnberger fondsgebundene Zulagen-Rente Doppel Invest und die DWS Riester-Rente Premium. Die Spareinlagen betrugen zwischen 42.000 und 43.830 Euro. An Gebühren fielen an: 2.257 Euro (DWS), 4.150 Euro (Allianz), 4.706 Euro (Axa) und unverschämte 6.940 Euro bei der Nürnberger.

Dass sich diese Kosten auch auf die Rendite und damit die Rente auswirken, versteht sich. Bei einer Untersuchung der Zeitschrift „Finanztest“, die 35 Gesellschaften verglich, ergaben sich Unterschiede von mehr als 20 Prozent bei der Mindestrente. Um später möglichst viel von seiner Riester-Rente zu haben, rät Niels Nauhauser, Experte für Altersvorsorge bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, sich die Verträge sehr genau anzusehen. Dabei lohnt es sich, abgesehen von den reinen Versicherungsverträgen auch die Alternativen für eine staatlich geförderte Altersvorsorge in Betracht zu ziehen. Bank- und Fondssparpläne sind meistens günstiger. Wem sein jetziger Vertrag zu teuer ist, raten die Experten: „Sparer sollten falsche Entscheidungen möglichst schnell revidieren.“ Sprich: Neuer Vertrag, neues Glück.

Posted by Andre on 08/19 at 03:59 AM
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