Krankenkassen erheben Zusatzbeiträge
Gestern war es soweit: Die Chefs der gesetzlichen Krankenkassen haben sich vor die Presse gestellt und verkündet, dass sie demnächst Zusatzbeiträge von ihren Mitgliedern verlangen werden. Herbert Rebscher, Vorstandsvorsitzender der DAK, begründete den Schritt damit, dass die Kassen sich entschlossen hätten, „den Weg der seriösen Kalkulation zu gehen“. Gleichzeitig sprach er mit stolz geschwellter Brust von einer Enttabuisierung und präsentierte sich als „Vorreiter eines neuen Gesundheitssystems“. Dabei ist es nicht anderes als eine Beitragserhöhung und in gewisser Hinsicht auch eine Preisabsprache.
Bei der DAK werden die 4,6 Millionen Mitglieder schon ab Februar acht Euro mehr bezahlen müssen. Das Gehalt, sonst Grundlage für die Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung, bleibt bei dieser Pauschale völlig außen vor. Auch die KKH Allianz, die AOK Schleswig-Holstein, die BKK Gesundheit, die BKK Heilberufe, kptBKK und Novitas BKK kündigten an, eine Pauschale zu verlangen. Das ist für die Kassen der einfachste Weg, weil sie nicht detailliert rechnen müssen. Bei einem Betrag über acht Euro wären sie verpflichtet, für jedes einzelne Mitglied den Zusatzbeitrag – maximal ein Prozent des Einkommens bis höchstens 37,50 Euro im Monat – zu kalkulieren. Die Pauschale ist im Vergleich dazu schön einfach. Lediglich die BKK Westfalen-Lippe scheint mehr verlangen zu wollen.
13 Monate keimt der Gedanke, die Option der Zusatzbeiträge zu ziehen, inzwischen bei den gesetzlichen Krankenkassen. Damals war der Gesundheitsfonds eingeführt worden. Doch die Angst, als erste Kasse die Hand aufzuhalten, war bislang zu groß. Schließlich haben Kunden in diesem Fall ein Sonderkündigungsrecht und könnten sich eine Krankenversicherung suchen, die besser mit ihrem Geld wirtschaftet. Da jetzt beinahe flächendeckend ein Zusatzbeitrag erhoben werden soll, scheint keine große Wanderung mehr befürchtet zu werden. Dieter Paffrath von der AOK Schleswig-Holstein warnt jedenfalls vor einem Wechsel. Es lohne sich nicht, weil acht Euro den meisten Kassen bald schon nicht mehr reichen würden.
Verwunderlich ist das nicht. Denn alleine der Zusatzbeitrag wird Verwaltungskosten von rund einer Milliarden Euro verursachen. Von den acht Euro fließen etwa zwei Euro in die Bürokratie. Jedes Mitglied muss schriftlich darüber informiert werden, dass ein Zusatzbeitrag erhoben wird. Für die Versicherten ist das ebenfalls mit Arbeit verbunden: Sie müssen den Betrag Monat für Monat überwiesen, weil er nicht automatisch abgebucht wird. Wer nicht zahlt, dem droht ein Inkassoverfahren. Dann steht möglicherweise der Zoll vor der Tür. Er wurde von der großen Koalition als Geldeintreiber vorgesehen.
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