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Montag, August 16, 2010

Lebensversicherung - Garantiezins wackelt

Damit sich eine Geldanlage lohnt, muss am Ende der vereinbarten Laufzeit mehr Geld ausgezahlt werden, als vorher vom Kunden investiert wurde. Soweit ist die Theorie recht simpel, auch bei einer Lebensversicherung. Die Praxis hingegen zeigt: Die Garantien, die von den Gesellschaften gegeben wurden und noch werden, lassen sich aufgrund der Niedrigzinsphase nur noch schwer realisieren. Im schlimmsten Fall knicken die Unternehmen ganz ein – wie sich in den 1990er Jahren in Japan gezeigt hat. Wahrscheinlicher ist aber, dass der Garantiezins gekürzt wird. Im Gespräch sind 1,75 statt aktuell 2,25 Prozent, und das schon ab 2012.

Die Financial Times Deutschland spricht in diesem Zusammenhang von einem „Konstruktionsfehler der klassischen deutschen Lebensversicherung“. Die Garantieverzinsung des Sparanteils laufe bei vielen Verträgen teilweise 50 Jahre (wenn die Police von einem 30-Jährigen unterschrieben wird) und bewege sich bei durchschnittlich 3,4 Prozent für Lebens- und Rentenversicherungen. Diesen Garantiezins müssen die Unternehmen erst einmal erwirtschaften. Genau hier liegt das Problem: Die Zinsen, die derzeit an den Märkten erzielt werden können, sind im Keller. Das bekommen auch die Versicherungskonzerne zu spüren, die rund 95 Prozent der Gelder in Anleihen investieren.

Um nur ein Beispiel für den Verfall zu nennen: Bundesanleihen über zehn Jahre bewegen sich aktuell bei 2,39 Prozent. Zu Beginn der Neunzigerjahre stand eine vier Mal höhere Rendite zu Buche. Seinerzeit gab es auch noch einen Garantiezins von vier Prozent, der dann nach und nach auf 2,25 Prozent korrigiert wurde. Da die Umlaufrendite öffentlicher Anleihen, die momentan 2,25 Prozent beträgt, Gradmesser für den Garantiezins ist, steht es für die Lebensversicherung also nicht zum Besten. Vorgeschlagen wird der garantierte Zinssatz von der Deutschen Aktuarvereinigung und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Sollten sie 1,75 Prozent empfehlen, wären davon allerdings nur neue Verträge betroffen. Bei laufenden Policen halten die Unternehmen ihre Versprechen in aller Regel ein.

Posted by Andre on 08/16 at 11:12 AM
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