Lebensversicherung: Nicht immer ist die Kündigung der beste Weg
Nachdem bekannt wurde, dass Ergo-Vertreter ihre Kunden dazu gedrängt haben sollen, beitragsfrei gestellte Lebensversicherungen ganz zu kündigen und das Kapital in eine Unfallversicherung mit Beitragsrückgewähr zu investieren, stellt sich vielen Verbrauchern eine Frage: Was mache ich mit einer kapitalbildenden Lebensversicherung, wenn sie mir zu teuer wird oder der Vertrag schlichtweg unrentabel scheint?
Von heute auf morgen zu kündigen und einen endgültigen Schlussstrich zu ziehen, sollte gut überlegt sein. Es gibt andere Alternativen, die im Einzelfall ausgelotet werden müssen. Die Grundlage für die Entscheidung bildet dabei in der Regel der sogenannte Rückkaufwert. Das ist der Betrag, den die Versicherungsgesellschaft nach einer Kündigung zahlt. Die Summe richtet sich danach, wie lange bereits in den Vertrag eingezahlt wurde sowie nach der Höhe der Stornokosten. Wer schon nach zwei oder drei Jahren an der Reißleine zieht, darf also nicht auf Reichtümer hoffen, sondern muss vielmehr mit deutlichen Einbußen rechnen.
Hajo Köster, Justiziar beim Bund der Versicherten, rät in einem solchen Fall, die Police einfach ruhen zu zahlen und die Beitragszahlung einzustellen. Der Vertrag läuft dann ganz normal weiter, wird nur nicht weiter bedient. Das Ergebnis dieser Strategie: Statt der ursprünglich vereinbarten Versicherungssumme überweist die Assekuranz zum Ende der Laufzeit einen deutlich geringeren Betrag. Möchte man die Police hingegen ganz auflösen, wäre der Verkauf der Lebensversicherung eine weitere Option. Sie kann allerdings nur gezogen werden, wenn der Vertrag den Rahmenbedingungen der Ankäufer entspricht. Hier sollte darauf geachtet werden, dass es sich um ein seriöses Unternehmen handelt, das den Betrag in einer Summe auszahlt und realistische Zahlen nennt. Maßgeblich ist auch hier der Rückkaufwert.
Wie das Kapital später angelegt oder verwendet wird, ist dem Kunden überlassen. Möchte man den Todesfallschutz der Lebensversicherung aufrechterhalten, bietet sich eine deutlich günstigere Risikolebensversicherung an. Für den Auszahlungsbetrag an sich kommt eine Vielzahl von Anlageprodukten infrage. Hier gilt es, sich in Ruhe beraten zu lassen – möglichst nicht eingleisig, wie es anscheinend bei einigen Kunden der zur Ergo gehörenden Victoria-Versicherung der Fall war.
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