Lebensversicherungen von Alten und Kranken: Spekulanten wetten auf den Tod
Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat die Gier nach hohen Renditen und schnellen Gewinnen offensichtlich nicht bremsen können. Ist man in den Vereinigten Staaten mit Hypotheken an finanzschwache Kunden auf die Nase gefallen, stehen jetzt schwerkranke und ältere Menschen im Fokus der Spekulanten. „Killer Idee“ werden die Pläne hinter vorgehaltener Hand bereits genannt. Schließlich geht es im Prinzip um nichts anderes als eine Wette auf den Tod. Dazu werden die Lebensversicherungen von Kranken und Senioren gekauft – immer in der Hoffnung auf ein frühes Ableben des Verkäufers, damit es sich auch lohnt.
Die Idee keimte bereits in der Zeit auf, als AIDS erstmals publik wurde. Den Betroffenen, heute sind es Menschen im fortgeschrittenen Alter oder mit schweren Erkrankungen, wird abhängig von der Lebenserwartung ein Angebot für ihre Lebensversicherung unterbreitet. Lautet sie auf eine Million Dollar, zahlen die Banken und Fondsgesellschaften zum Beispiel 500.000 Dollar. Das Geld soll den Lebensabend versüßen oder kann in alternative Behandlungen investiert werden. Für die Banken spielt das keine Rolle. Sie bündeln die Policen hundertfach zu einem großen Paket und wollen dann Stückchen für Stückchen an Investoren verkaufen.
Die Rechnung ist ganz einfach: Zum einen ergibt sich der Gewinn aus der Differenz zwischen dem Auszahlungsbetrag und der Kaufsumme für die Lebensversicherung. Zum anderen werden hohe Gebühren verlangt. Unsicherheiten ergeben sich aus den Personen, von denen die Papiere gekauft wurden. Leben sie länger als prognostiziert, müssen auch länger die Beiträge für die Versicherung gezahlt werden. Die Rendite würde dadurch erheblich geschmälert. Bislang haben neun Gesellschaften ihre Lebensversicherungspakete bei Ratingagenturen zur Bewertung vorgelegt. Das „Insurance Information Institut“ in den USA kritisiert das Vorgehen. Rein rechtlich sind die Wetten auf den frühen Tod allerdings „sauber“ – was sie nicht besser macht.
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