Liechtenstein: Ehemaliges Paradies für Steuerhinterzieher?
Liechtenstein galt als eine der letzten Hochburgen in Sachen Vermögensverschleierung. Wer größere Geldbeträge vor neugierigen Familienmitgliedern auch vor dem Finanzamt verstecken wollte, war mit Bankhäusern aus Liechtenstein gut beraten. Denn während einige Länder wie zum Beispiel die Schweiz oder Luxemburg der EU in Sachen Bankgeheimnis Zugeständnisse gemacht haben, so sah und sieht man sich in Luxemburg nicht dazu gezwungen, ausländischen Steuerfahndern Einblick zu gewähren.
Doch seitdem vergangene Woche feststeht, dass den deutschen Steuerfahndern eine CD mit tausenden von Daten über deutsche Steuerflüchtige vorliegt, haben es viele der Steuersünder mit der Angst bekommen. Immerhin sollen sich auf dieser CD stichhaltige Beweise wieder finden, die belegen, dass mehrere hundert bis tausend Bundesbürger in Liechtenstein horrende Summen an Schwarzgeld horten.
Das erste und bisher prominenteste Opfer des Steuerskandals ist der ehemalige Postchef Zumwinkel, der bereits vergangene Woche vor den Augen der Medien abgeführt wurde – er soll Steuern in Millionenhöhe am Fiskus vorbeigeschleust haben. Und gestern wurde zum Rundumschlag ausgeholt: Allein diese Woche ist mit 125 Durchsuchungen im gesamten Bundesgebiet zu rechnen. 37 Steuerfahnder, 8 Staatsanwälte und hunderte von Polizisten werden Wohnungen und Geschäftsräume durchsuchen.
Wie bereits erwähnt wurde, geht jetzt die Angst umher. Angaben des Spiegels zufolge, soll es schon gestern zahlreiche Selbstanzeigen gegeben haben – auf diese Weise wird von den Betroffenen versucht, Schadensbegrenzung zu betreiben. Die wirklichen Ausmaße des Skandals sind allerdings noch nicht abzuschätzen. Experten zufolge wird es noch einige Wochen oder sogar Monate dauern, bis die Steuerfahnder alle Daten ausgewertet haben.
Des Weiteren bleibt auch abzuwarten, welche Auswirkungen die derzeitigen Ereignisse auf den Finanzplatz Liechtenstein haben werden. Immerhin gibt es keine Änderung bezüglich des Bankgeheimnisses – allerdings könnte es sein, dass einige Menschen das Vertrauen in die Banken verloren haben.
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