Liechtenstein wird auch für Versicherer zum heißen Pflaster
Liechtenstein steht im Moment für Herren in dunklen Anzügen, die mit Aktenkoffern ihr Vermögen vor dem deutschen Fiskus in Sicherheit bringen woll(t)en. Der Ruf des Kleinstaates ist vorerst ruiniert, jedenfalls bei denen, die artig ihre Steuern zahlen und sicher auch bei denen, die bereits Besuch vom Staatsanwalt hatten oder ihn noch erwarten. Für viele Versicherungskonzerne könnte das eisige Klima zwischen den beiden Nationen jetzt zur Zwickmühle werden. Denn die meisten haben auch Versicherungen aus Liechtenstein im Programm und fürchten nun um ihre Reputation.
Bei der Allianz Deutschland wird schon geprüft, inwieweit sich das Engagement im Fürstentum auf den guten Namen auswirken könnte. Bei der Versicherungsgruppe Talanx macht man sich ähnliche Gedanken, bestätigt Chef Herbert K. Haas. Beide Unternehmen – wie viele andere auch – offerieren Produkte, die Vermögensverwaltung und Lebensversicherung unter einen Hut bringen, ganz speziell auf deutsche Anleger zugeschnitten. Dass die PrismaLife Versicherung aus Liechtenstein damit wirbt, dass derlei Verträge eine Alternative zu einer Stiftung seien, macht die Sache nicht besser. Denn der Begriff Stiftung in Zusammenhang mit dem Fürstentum ist aktuell eher ein rotes Tuch. Und wie viel es wert ist, dass laut Versicherungsvertragsrecht in Liechtenstein keine Auskünfte über die Kunden gegeben werden – wie bei den Banken – hat man gesehen.
Ohnehin werden die Versicherungspolicen aus dem Kleinstaat nicht sonderlich gut bewertet. Sie sind eher umstritten. Sparer können in ihren „Versicherungsmantel“ ganz nach Belieben Vermögenswerte packen, ob nun das Aktiendepot oder das Bare aus dem Tresor. Ziel ist in erster Linie, die drohende Abgeltungssteuer für die Laufzeit zu umgehen, was unter gewissen Voraussetzungen auch machbar ist. Dann müssen erst zum Ende auf 50 Prozent des Gewinns Steuern gezahlt werden. Dass solche Steuersparmodelle bei der Politik nicht gut ankommen, ist verständlich. Seitens der Union wird jetzt schon gedroht: „Die Versicherer müssen aufpassen, dass sie nicht den nächsten Steuerskandal produzieren.“
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