Medikamente jetzt bei Schlecker – Apotheker sind kritisch
Schlecker war schon immer für eine Neuheit gut, ob sie gut war oder schlecht. Nun wird es kalt auf dem deutschen Medikamentenmarkt. Denn die Drogerie-Kette geht auf Angriff und will in all ihren Filialen Medikamente verkaufen. Diese sollen von der niederländischen Apotheke Vitalsana kommen, einer Tochterfirma von Schlecker.
Die über 11.000 Filialen von Schlecker, Drospa und Ihr Platz werden nun auch Medikamente in ihren Regalen haben. Die Neuigkeit wurde inzwischen auch vom Unternehmen selbst bestätigt, nachdem erst nur das Gerücht über den filialeigenen Medikamentenverkauf die Runde gemacht hatte. Vitalsana ist die Apothekentochter der Schlecker-Gruppe und wird für die Lieferung der Medikamente zuständig sein. Damit es nicht zu missbräuchlichen Käufen kommt, muss der Kunde seine Medikamentenbestellung zuerst in der Filiale abgeben. Diese wird dann weitergeleitet an Vitalsana, welche binnen kurzer Zeit die Lieferung vornehmen soll. Abgeholt werden können die Medikamente dann nur mit dem Bestellschein und dem Ausweis. Ob dies dann tatsächlich auch so durchgeführt wird, muss die Zeit erst zeigen. Vorbereitet wurde der Medikamentenverkauf über die mehr als 11.000 Filialen auf jeden Fall schon von langer Hand. In den Filialen selbst lagen inzwischen Medikamentenprospekte mit 48 Seiten aus. Aufgrund rechtlich nicht geklärter Formalitäten musste der Start des Medikamentenverkaufs jedoch verschoben werden.
Es kommt also wieder Bewegung in den heiß begehrten Markt mit Arzneimitteln. Bei der Drogeriekette dm stehen bereits seit längerer Zeit Terminals der Europa Apotheek Venlo aus den Niederlanden. Dort können dm-Kunden Medikamente sowohl bestellen als auch abholen. Auch Rossmann, Konkurrent von Schlecker und dm, bekommt nun langsam einen wässrigen Mund und wird wohl auch irgendwann in die Richtung seiner beiden Kontrahenten gehen.
Was den Verbrauchern auch aufgrund der Rabatte immer mehr gefällt, missfällt im Gegenzug den Apothekern. Diese hatten erst den Versandhandel auf dem Kieker und nehmen nun Schlecker und Co. aufs Korn. Sowohl den Versandapotheken als auch den Drogerie-Ketten wird eine mangelhafte Beratung vorgeworfen. Nur, um mal ganz ehrlich zu sein: In welcher ortsansässigen Apotheke bekommt man heutzutage noch eine wirklich gute Beratung? Die Antwort lautet: In keiner. Zumindest habe ich - und viele andere, die ich kenne - genau diese Erfahrung gemacht. Vor einiger Zeit hat die Stiftung Warentest einen Apothekentest gemacht, der genau diese Erfahrung untermauert hat. Ob Schlecker und Konsorten dann wirklich so viel schlechter sein werden als die Apotheken vor Ort? Ich mag es kaum glauben. Und Sie?
