Neue Vorwürfe gegen den Ergo-Konzern
Der Ergo-Konzern kommt nicht zur Ruhe. Es scheint fast so, als habe jemand die Büchse der Pandora geöffnet, aus der jetzt nach und nach alle Verfehlungen der Assekuranz an die Öffentlichkeit drängen. Die Liste reicht inzwischen vom Sex-Skandal über fehlerhafte Anträge zur Riester-Rente bis hin zur rein provisionsgesteuerten Beratung, wobei der letzte Punkt auch auf die vierte „Offenbarung“ eines Generalvertreters zutrifft. Mitarbeiter der Versicherung sollen für die betriebliche Altersvorsorge nicht die günstigen Rahmenverträge sondern Einzelpolicen an den Mann und die Frau gebracht haben. Darüber berichtete am Donnerstag dieser Woche das Handelsblatt.
Weil die Provision für einen einzelnen Vertrag ungleich höher ausfällt als für Policen mit Sonderkonditionen, war die Verlockung sicherlich groß, ein paar Euro mehr zu verdienen. Dass dabei „massenhaft Verträge mit falschen Konditionen geschlossen wurden“, hätte aber jemandem auffallen müssen, sagt Lars Gatschke vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Interne und externe Aufsicht hätten in dem Fall versagt. Ähnlich sieht es auch der Bund der Versicherten. Hier fühlt man sich an den Riester-Renten-Skandal der Ergo erinnert: „Es wird nicht lange dauern, bis man wieder sagt: Die Dinge waren uns bekannt. Und es ist schlimm genug, dass man jahrelang nicht dagegen getan hat.“ Der Vorwurf an den Konzern lautet daher schlichtweg, alles unter dem Deckel halten zu wollen.
Das hat nicht funktioniert und muss – sagen sowohl der Bundesverband der Verbraucherzentralen als auch der Bund der Versicherten – Konsequenzen haben. Ein erster Schritt, um zu vermeiden, dass Vertreter und Makler „aus Versehen“ zu den falschen Anträgen greifen, wäre ein neues Provisionsmodell. Seitens der Verbraucherschützer wird eine Deckelung der Vergütung gefordert. „Mit der gängigen Praxis werden die Anreize völlig falsch gesetzt“, heißt es. Ins gleiche Horn stößt auch ein Ergo-Konkurrent. Die Allianz arbeitet im Bereich Altersvorsorge mit fixen Provisionen. Diese Diskussion wird vermutlich noch längere Zeit anhalten. Vorher muss die von Skandalen gebeutelte Assekuranz wieder einmal prüfen, wie viele Kunden betroffen sind. Potenziell, so das Handelsblatt, seien es „Hunderttausende von Versicherten“.
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