Neues Konzept für das Gesundheitssystem
Ideen, wie das Gesundheitssystem sozial verträglicher, gerechter und besser finanziert werden kann, gibt es viele. Durchgesetzt hat sich bislang keine davon. Eckart Fiedler, seines Zeichens Gesundheitsökonom und ehemaliger Chef der Barmer Ersatzkasse, hat jetzt zusammen mit anderen Experten für die Friedrich-Ebert-Stiftung ein neues Modell gezeichnet. Es greift alte Vorschläge auf und modifiziert sie vor allem mit Blick auf die finanzielle Lage der Versicherten. Der Grundgedanke: ein solidarisch finanziertes Gesamtsystem.
Damit würde die bisherige Zweiteilung in gesetzliche Krankenkassen und private Krankenversicherung (PKV) aufgebrochen. Das erinnert ein wenig an das Prinzip Bürgerversicherung, das jüngst immer mal wieder diskutiert wurde. Allerdings ist das Fiedler-Modell einkommensabhängig. Das Experten-Team rechnet angesichts der besser Verdienenden, die bislang zumeist in der PKV versichert sind, mit Mehreinnahmen von zehn Milliarden Euro. Berücksichtigt wurden bei dieser Rechnung bereits die Leistungen, die von den 8,6 Millionen Privatpatienten in Anspruch genommen werden.
Weitere 2,2 Milliarden Euro erhofft sich die Gruppe um Eckart Fiedler aus Einnahmen, die über die Kapitaleinkünfte der Versicherten generiert werden sollen. Der Gerechtigkeit halber müsse auch diese Einnahmequelle in die Beitragsberechnung einfließen. Um den Aufwand in Grenzen zu halten, soll das Geld in Form eines fünfprozentigen Aufschlags auf die Abgeltungssteuer kassiert und in den Gesundheitsfonds gezahlt werden. Fünf Milliarden Euro erhofft man sich zudem von einer Neuregelung der kostenfreien Mitversicherung von Ehepartnern, die nicht erwerbstätig sind.
Der dickste Batzen, mit stolzen 15 Milliarden Euro, soll über die Kindermitversicherung in die Kassen gespült werden. Die Beitragsbefreiung bliebe bestehen, werde aber nicht länger von den Versicherungen, sondern von den Steuerzahlern getragen. Unter dem Strich stehen damit 32,2 Milliarden Euro mehr für das Gesundheitssystem zur Verfügung, um auch für schlechte Zeiten gewappnet zu sein. Aus Expertensicht wird sich die demographische Entwicklung ab 2030 besonders deutlich bemerkbar machen. Bis dahin werden vermutlich noch viele Ideen präsentiert.
Gesundheit • Krankenversicherung • Gesundheitsreform • Kommentar(e): (0) • Trackbacks (0) • Permalink
