Niederländische Versicherung zahlt Kranken die Wallfahrt nach Lourdes
Versicherungsgesellschaften sind in der Regel eher pragmatisch veranlagt und kennen sich bestens mit Zahlen, Statistiken und Bilanzen aus. Wunder oder die Kraft des Glaubens passen da weniger ins Bild. Auf die Idee, Menschen eine Pilgerreise zu finanzieren, um sie gesundheitlich zu stärken, würde man in Deutschland daher gar nicht erst kommen, sondern vermutlich schon bei der Kosten-Nutzen-Analyse belustigt den Kopf schütteln. Die niederländische VGZ-Versicherung sieht das anders. Sie organisiert für ihre schwerstkranken Mitglieder seit 1991 Reisen nach Lourdes, investiert viel Zeit sowie Geld und ist fest von der heilenden Wirkung überzeugt. Schon vor drei Jahren hat sich die Universität Nijmegen mit dem Phänomen beschäftigt und ganz klar gesagt: „Die Menschen kommen gestärkt, voller Lebenskraft, Trost und Hoffnung zurück.“
Fast 300.000 Euro lässt sich die VGZ Versicherung die Reisen samt Organisation kosten und bucht zwei Mal im Jahr eine Maschine nach Lourdes. Mit an Bord sind rund 200 Kranke und Angehörige sowie 80 Helfer, angefangen bei Ärzten über Pfarrer bis hin zu Vorstandsmitgliedern des Unternehmens. Die Hoffnung, später weniger Leistungen erbringen zu müssen und dadurch Kosten zu sparen, spielt dabei eine untergeordnet Rolle. Trudy van Helmond-Donders, zuständig für die Planung, macht klar, dass die VGZ die Pilgerfahrten als Teil ihrer gesellschaftlichen Verantwortung sieht. Zudem förderten sie den sozialen Zusammenhalt und verbesserten das Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Mitarbeitern. Denn in Lourdes ist bei der VGZ jeder gleich. Da schiebt auch der Vorstand einen Rollstuhl und frühstückt an einem Tisch mit dem Mann aus der Postabteilung.
Ganz kritiklos bleibt das Engagement der Versicherung in den Niederlanden nicht. Vorgeworfen wird der VGZ, dass die Reisen mit den Beiträgen aller Versicherten finanziert werden, aber nur wenige mit nach Lourdes dürften. Mit dem Hinweis darauf, dass die Kosten im Gesundheitswesen durch die Fahrten gesenkt würden, war die Debatte allerdings recht schnell beendet. Einen Anspruch, an der Wallfahrt teilzunehmen, hat niemand. Sie wird als Dienstleistung gewertet und kommt nur wirklich Bedürftigen mit entsprechender Krankenakte zugute. Ihnen stellt die Versicherung einen Eigenanteil von 150 Euro in Rechnung, wenn es die finanzielle Lage des Betroffenen zulässt. „Was nichts kostet, hat den Anschein, nichts wert zu sein“, so das Unternehmen. An den Wallfahrten, die seit 80 Jahren Tradition sind, wird man auch zukünftig festhalten, trotz rigorosen Sparkurses, der rund 4.400 Mitarbeitern den Job kosten soll.
