Nur 24 Prozent der Deutschen haben eine Berufsunfähigkeitsversicherung
Beim Versicherungsschutz sind die Prioritäten der Deutschen ganz klar abgesteckt: Auto und Hausrat. 36 Prozent haben eine Vollkasko abgeschlossen, 77 Prozent eine Hausratversicherung. Das ist lobenswert. Die eigene Arbeitskraft, mit der Fahrzeug und Flachbildfernseher erst finanziert werden können, sichern hingegen nur wenige ab und verzichten auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU-Versicherung) – oder wissen gar nicht, dass es sie gibt.
Obwohl die Versicherung als enorm wichtig eingestuft wird, haben nur 24 Prozent der Bundesbürger eine BU-Police. In der Summe machte das Ende 2008 zwar immerhin 17 Millionen Verträge. Ein Blick auf die Details verrät allerdings, dass die meisten Policen nicht einmal ansatzweise einen ausreichenden Versicherungsschutz bieten. 540 Euro monatliche Rente wurden im Schnitt vereinbart. Herzlich wenig für den Fall, dass man im angestammten Beruf nicht mehr oder nur noch sehr eingeschränkt arbeiten kann. Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten, sieht hier die Krux: „Viel zu wenige haben sich abgesichert, und wenn doch, haben sie oft nur einen begrenzten Schutz vereinbart.“
Hinzu kommt, dass viele Kunden sich für eine Berufsunfähigkeitsversicherung entscheiden haben, die an ein Ansparprodukt gekoppelt ist. Das macht sich, so die Experten, selten bezahlt. Sie raten von dieser Variante ab. Von den bestehenden Verträgen sind gerade einmal 2,4 Millionen reine BU-Absicherungen mit einem Versicherungsschutz von durchschnittlich 964 Euro im Monat. Dieser Wert ist in den vergangenen acht Jahren zwar um rund 32 Prozent gestiegen. Die Zahl der Policen an sich stagniert jedoch seit mehreren Jahren. Mehr als 350.000 Neuverträge pro Jahr werden selten abgeschlossen.
Das mag daran liegen, dass viele Berater nicht von sich aus auf die Berufsunfähigkeitsversicherung hinweisen. Sie ist beratungsintensiv und das Risiko, dass der Kunde abgelehnt wird, enorm hoch. Um eine Chance zu haben, sollte man beim Vertragsabschluss kein Blatt vor den Mund nehmen, was den eigenen Gesundheitszustand angeht. Hinweise von Vermittlern, dass dieses oder jenes Zipperlein nicht von Belang sei, sollte man besser überhören. Etwas zu verschweigen oder schönzureden kann später zu Problemen und Ärger führen. Wenn die Versicherung den Vertrag ablehnt, rät der Bund der Versicherten, sich zumindest um eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung zu bemühen. Sie ist günstiger, zahlt aber nur, wenn man gar nicht mehr in der Lage ist, zu arbeiten.
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