Ohne Moos nix los!? Welchen Wert hat die “Ein-Euro-Firma”
Da staunt selbst der weltberühmte Tellerwäscher: Die künftige “Unternehmergesellschaft” kommt mit einem Stammkapital von 1,00 Euro aus. Noch nie war es in Deutschland so einfach, eine Firma zu gründen; mit Ausnahme der Offenen Handelsgesellschaft OHG. Auch sie bedarf von keinem der mindestens zwei Vollhaftern als Beteiligten ein Mindestkapital. Doch die Banken fremdeln.
Das “Projekt” der Bundesregierung zur ‘Rechtsform-Reform’, die so genannte “Unternehmergesellschaft UG”, gilt allerdings bei der Opposition bereits als “gescheitert”. Das ‘Herzstück’ der kürzlich beschlossenen GmbH-Reform scheint also kaum vielversprechend mit der UG, bei der künftig schon mit einem Euro Stammkapital eine Gesellschaft mit Kaufmannseigenschaft nach HGB gegründet werden kann. Die neue GmbH für Einsteiger gilt als Ausgleich dafür, das im GmbH-Gesetz bei der letzten Reform am Stammkapital nichts geändert wurde. Noch immer gelten für die GmbH 25.000 Euro als Mindestkapital. Die GmbH-Reform gilt als ausgelöst wegen der britischen Limited (Ltd.) - der britischen Variante der GmbH. Immer öfter tragen die Neu-Einträge im Handelsregister den Zusatz Limited, der als sehr beliebt gilt.
Der persönliche Kredit ist der sicherste!
Der Europäischen Gerichtshofs hatte 2003 den Wettbewerb mit einem seiner Urteile eröffnet. Seitdem dürfen sich Kaufleute überall in der EU einer Rechtsform bedienen, die in irgendeinem Mitgliedsstaat gesetzlich zugelassen ist. Selbst ein Friseur-Salon für Hunde könnte in Sachsen in der Rechtsform einer niederländischen ‘Besloten Vennootschap’ (BV) gegründet werden. Grund genug, als deutscher Jungunternehmer verstärkt der Verlockung einer Limited zu erliegen. Kann man sie doch “sau-billig” mit einem Stammkapital von nur einem Pfund gründen. Ein Betrag aber, der nicht nach Vermögen und Sicherheit aussieht. Ob die Unternehmergesellschaft statt der “richtigen” GmbH glänzen kann, muss fraglich bleiben. Für den Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH).gilt die UG als “mutig und richtig” und beim Deutschen Industrie und Handelskammertag steigt ganz stetig die Zahl der Anfragen von Unternehmensgründern nach der UG.
Wie zum Erfolg kommen?
Bei “toller Geschäftsidee” und wenig Kapital gilt die UG auf dem Papier als “eine schöne Sache.” Wie aber mit zu wenig eigenen Mitteln zum wirtschaftlichem Erfolg kommen? Hat doch die UG gleich mit der ersten Bilanz zur Eröffnung ein großes Vertrauensproblem - und der Bankberater wird stutzen; selbst wenn die eigenen Mittel bei 10.000 Euro liegen sollten. Denn dem Banker geht es bei der Vergabe von Krediten immer auch um die Sicherheiten; und die sind bei der UG auf der Vermögensseite eben nicht vorhanden. Was bleibt, ist die die persönliche Haftung wie beim Einzelunternehmer oder denen der OHG.
Firmierungen als UG schaffen also kaum Vertrauen bei Kreditgebern und Geschäftspartnern, weil man gleich spekuliert, dass der oder die Firmengründer eben kein Geld haben oder sich eine GmbH nicht leisten können. Geschäftspartner als Lieferanten oder Kunden zu finden, dürfte gleichermaßen schwer sein. Jedes zweite befragte Unternehmen in der Region IHK Mainfranken meinte bereits 2006, die Probleme lägen bei Handel und Wandel mit einer Ein-Euro-GmbH auf der Hand. Bezweifelt wird die Verlässlichkeit und ein hohes Ausfallrisiko der “Anfänger-GmbH”. Und jeder Fünfte unkte, dass die Geschäfte mit einer UG mit höheren Kosten verbunden sein werden, weil der “deren Pflichtenheft” aus dem Vertrag stärker überwacht werden müsse. Vertrauen geht irgendwie anders…
