Private Altersvorsorge wird unterschätzt
Der Vorwurf an die Bundesbürger, überversichert zu sein, trifft nur bedingt zu. Auf der einen Seite wird mit Sachversicherungen jeder Eventualität vorgebeugt. Auf der anderen Seite übersehen die Deutschen die eigentlichen Risiken und vernachlässigen die Themen Altersarmut und Berufsunfähigkeit. Im Vergleich zu anderen europäischen Nationen ist die private Altersvorsorge dementsprechend eher mager ausgebaut. Das Problem, so Edda Castello von der Verbraucherzentrale Hamburg: „90 bis 95 Prozent der Deutschen sind komplett falsch versichert.“
Blickt man auf die Verteilung der Policen, sollte man meinen, alles sei im Lot: 80 Prozent der Haushalte haben eine Hausratversicherung, 70 Prozent eine private Haftpflichtversicherung, 63 Prozent kapitalbildende Lebens- und Rentenversicherungen und 50 Prozent eine Rechtsschutzpolice. „Doch die wichtigsten Versicherungen fehlen“, erklärt die Verbraucherschützerin gegenüber der Zeit. Das größte Problem: Es fließt zu wenig Geld in die private Altersvorsorge.
Insgesamt bezahlen die Deutschen Jahr für Jahr knapp 1.955 Euro für ihre Policen. Davon entfallen 1.100 Euro auf die Vorsorge für das Alter. Mit diesem Wert liegt die Bundesrepublik auf dem drittletzten Rang innerhalb Europas. Nur in Österreich und Spanien wird noch weniger in die eigene Zukunft investiert. Ulrike Pott vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), sieht die Zahlen kritisch: „In vielen Ländern sind die Pro-Kopf-Beiträge für Lebensversicherungen teilweise mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland, etwa in der Schweiz, Großbritannien, Frankreich und Schweden.“ Die Lebensversicherung steht dabei eher symbolisch für das Bemühen um eine private Altersvorsorge.
Die Konsequenzen werden erst in einigen Jahren sichtbar sein, aus Expertensicht jedoch dramatische Züge annehmen. Deutschland droht die größte Rentenlücke in Europa, heißt es. Die Holländer hingegen hätten es gut. Selbst in Italien und Frankreich reichten ein paar Tausend Euro Ersparnis, um die spätere Lücke zu füllen. Zwei weitere Probleme: Nur 19 Prozent der Bundesbürger haben eine Berufsunfähigkeitsversicherung und 30 Prozent verzichten auf eine private Haftpflichtversicherung. Letztere kann problemlos jederzeit abgeschlossen werden. Wartet man hingegen zu lange mit dem Schutz gegen Berufsunfähigkeit, wird es teuer oder extrem schwer, eine Police zu erhalten.
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