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Montag, März 22, 2010

Rechtsschutz – Mediation statt Klage

Wem es zu bunt wird, wenn die Werkstatt ständig am Auto schraubt, den Fehler aber nicht behebt, oder ein Nachbar im Mondschein Trompete übt, der ruft meistens die Rechtsschutzversicherung zu Hilfe. Der Wunsch der Kunden: Die Assekuranz soll den Anwalt zahlen, um den Übeltäter mit professionellem Beistand vor den Kadi ziehen zu können. War das früher der gängige Weg, werden die Gerichte inzwischen entlastet. Denn viele Rechtsschutzversicherer setzen statt des Klagewegs auf Mediation – mit Erfolg, von dem alle Seiten profitieren.

Die „Kontrahenten“ treffen sich nicht im Gerichtssaal, sondern gemeinsam mit einem Mediator am „grünen Tisch“, damit der Konflikt in einem ruhigen und sachlichen Gespräch gelöst werden kann. Der Mediator tritt dabei gewissermaßen als Moderator auf. Man sollte nicht meinen, wie schnell die Schreierei am Gartenzaun ein Ende haben kann, wenn von unabhängiger Seite eingelenkt wird. Die D.A.S. setzt seit 2007 auf die Mediation. Zwei Drittel der Gespräche enden mit einer friedlichen Einigung, häufig schon nach der ersten Sitzung. Selbst verfahrenste Situationen werden auf diesem Weg bereinigt.

Christine Lewetz, selbst Mediatorin und bei der D.A.S. für das Mediatorensystem zuständig, nennt die Vorteile: Niemand gehe als Gewinner oder Verlierer vom Tisch, weil eine einvernehmliche Lösung gefunden werde. Das haben auch die Rechtsschutzversicherer erkannt. Über die Hälfte von ihnen übernimmt die Kosten für eine Mediation. Die Unternehmen machen aber noch zu wenig Werbung dafür. Denn 80 Prozent der Deutschen wissen gar nicht, dass diese Möglichkeit überhaupt besteht. Dabei sind laut Forsa-Studie 68 Prozent durchaus bereit, Kompromisse einzugehen und zeigen sich recht harmoniebedürftig.

Eine Klage verschlimmert die Lage meistens noch, insbesondere weil Ewigkeiten gewartet werden muss, bis der Fall tatsächlich verhandelt wird. Angesichts von 1,6 Millionen Zivilprozessen im Jahr dauert es im Schnitt 18 Monate. Selbst wenn das Urteil dann Schwarz auf Weiß vorliegt, wird es nicht besser. Gerhard Horrion, Vorsitzender der Kommission Rechtsschutzversicherung beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), sagte im Tagesspiegel: „Das Urteil ist oft der Nährboden für neue Konflikte“. Die Mediation versucht genau das zu verhindern: Sie ist mit 80 bis 300 Euro pro Stunde auch günstiger als der ausgetretene Pfad – das freut vor allem die Versicherung.

Posted by Andre on 03/22 at 09:11 AM
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