Riester-Pflicht und Reibach
Die Bereitschaft heute für morgen vorzusorgen ist in der Bundesrepublik anscheinend nur schwach ausgeprägt. Nur knapp 30 Prozent derer, die berechtigt sind, für eine Riester-Rente zu sparen, legen auch ein paar Euro monatlich auf die hohe Kante. „Ein Skandal“, sagt der Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, und fordert im Hinblick auf die zunehmende Altersarmut eine „Riester-Pflicht“. Denn in einigen Jahren schon werde ein Großteil der Renten nicht mehr über dem Sozialhilfeniveau liegen und seien viele auf die Grundsicherung im Alter angewiesen. Aktuelle Prognosen sehen vor allem auf die Rentnerinnen und Rentner in Ostdeutschland schwere Zeiten zukommen.
Eine Statistik des Bundesarbeitsministeriums besagt bereits jetzt, dass immer mehr Rentner sich ein Zubrot verdienen müssen, um über die Runden zu kommen. Um 40 Prozent ist die Zahl der Minijobber im Rentenalter in den vergangenen fünf Jahren angestiegen. Laut TNS Emnid glauben insgesamt 76 Prozent der Deutschen, im Alter deutliche Einschnitte hinnehmen zu müssen. Wie groß genau die Versorgungslücke sein wird, wissen allerdings die wenigsten. Hans-Werner Sinn kritisiert vor allem jene, die als „Trittbrettfahrer“ ganz darauf bauen „der Staat wird mich schon nicht hängen lassen, wenn ich nicht spare“. „Das kann nicht toleriert werden“, so der Ifo-Präsident. Lobenswert seien die unter Gerhard Schröder eingeleiteten Arbeitsmarktreformen, bei denen fürs Mitmachen und nicht fürs Wegbleiben bezahlt werde. Um noch mehr Anreize zu schaffen, arbeiten zu gehen, plädiert Sinn für höhere Lohnzuschüsse.
Walter Riester wird es freuen, dass für sein Privatrenten-Modell eine Pflicht gefordert wird. Er ist einer der größten Profiteure der nach ihm benannten Rente. 10.000 Euro soll der ehemalige Minister jeden Monat alleine dadurch verdienen, dass er Vorträge über die private Rentenversicherung hält. Die Liste der Auftraggeber ist lang. Sie stammen aus der Versicherungswirtschaft und dem Bankensektor. Dabei hat Riester nur das Fundament gelegt und musste kräftig verbessert werden, um das Produkt auch wettbewerbsfähig und interessant zu machen.
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