Riester-Rente gerät erneut in die Kritik
Die Riester-Rente hat seit ihrer Einführung schon oft Nackenschläge einstecken müssen. Bislang blieb die Kritik weitgehend wirkungslos, wie die Entwicklung der staatlich geförderten Altersvorsorge eindrucksvoll beweist. Die Zahl der Verträge schnellte bis Juni 2011 auf 14,6 Millionen nach oben. Doch mittlerweile scheint das Fass übergelaufen zu sein: Der Riester-Renten-Skandal bei der Ergo, unerfüllte Rendite-Hoffnungen und dazu noch Verträge, die für viele Sparer eher ein Buch mit sieben Siegeln sind, zeigen Wirkung. In der Folge wurden 1,4 Millionen Verträge gekündigt und 1,8 Millionen Policen ruhend gestellt.
Mit den Daten, die kürzlich von der Leipziger Volkszeitung genannt wurden, dürfte das Misstrauen in die Riester-Policen, ob nun klassisch oder fondsgebunden, noch weiter zunehmen. Laut Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage der Linkspartei hat der Staat bislang 4,2 Milliarden Euro an Grundzulagen in die Verträge eingezahlt, plus vier Milliarden Euro Kinderzulagen. In der Summe wurden staatlicherseits also bereits 8,2 Milliarden Euro investiert. Auf der anderen Seite, so die Zeitung, landeten 5,9 Milliarden Euro Verwaltungskosten und Provisionen auf den Konten der Banken und Versicherungsunternehmen. Daraus ergebe sich für Riester-Produkte ein Sparanteil von 84 Prozent. Die restlichen 16 Prozent gehen an Geldhäuser und Assekuranzen, statt im Vorsorgetopf zu landen.
Für den Chef der Linkspartei, Klaus Ernst, Grund genug, das Prinzip der Riester-Rente in Zweifel zu ziehen: „Jetzt ist nicht mehr zu leugnen, dass von den Riesterzulagen vor allem Banken und Versicherungen profitieren. Milliarden versickern in deren Kassen“, sagte er der Leipziger Volkszeitung. Sein Vorschlag lautet, das Geld lieber für eine Mindestrente in Höhe von 850 Euro zu nutzen. Dieser Wunsch, die staatlich geförderte private Altersvorsorge ganz vom Tisch zu nehmen, wird sich wohl nicht erfüllen. Vielmehr arbeitet das Bundesministerium für Finanzen an Lösungen, das Image der Riester-Rente aufzupolieren und sie wieder in einem attraktiveren Licht zu präsentieren. Ein erster Schritt: Produktinformationsblätter sollen für mehr Transparenz sorgen, insbesondere bei den Kosten.
Altersvorsorge • Rentenversicherung • Kommentar(e): (0) • Trackbacks (0) • Permalink
