Risikolisten der Versicherer umfassen zehn Millionen Datensätze
Rund zehn Millionen Datensätze schlummern im Hinweis- und Informationssystem, kurz HIS, der deutschen Versicherungswirtschaft. Seit 1991 gibt es diese Risikolisten, die nach Kfz-Versicherung, Unfall-, Sach-, Rechtsschutz-, Lebens-, Haftpflicht- und Transportversicherung gegliedert sind. Fünf Jahre lang bleiben die Daten im System und werden dann gelöscht. Jährlich kommen weit über eine Millionen neue Einträge hinzu, der Großteil aus dem Bereich der Kfz-Schäden.
Die Versicherungen sehen ihre Listen als probates Mittel gegen Betrug und Missbrauch. Die Datenschützer hingegen kritisieren diese Einrichtung als nicht konform zur aktuellen Gesetzgebung. Sie pochen auf Änderungen und hoffen, dass in 2008 Bewegung ins System kommt, damit es auf „legalere Beine“ gestellt wird. Als problematisch bewerten Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein, und seine Kolleginnen und Kollegen, dass es einerseits keinerlei Transparenz für die Kunden gibt, und andererseits, dass die Daten einfach weitergegeben werden. Jede Versicherung kann darauf zugreifen, unabhängig davon, ob ein berechtigtes Interesse vorliegt.
Das Hinweis- und Informationssystem ist nach einem Punktesystem aufgebaut, bei dem jeder Schadensfall einen bestimmten Wert hat. Hat der Kandidat sich 60 Punkte verdient, landet er in der entsprechenden Risikoliste. Kunden, die sich um eine neue Versicherung bemühen, müssen damit rechnen, dass sie vorher genauestens durchleuchtet werden. Sind sie bereits auffällig geworden, kann es durchaus sein, dass der Vertrag nicht zustande kommt. Warum genau, verrät die Versicherung allerdings nicht.
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