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Mittwoch, September 24, 2008

Rufe nach Riester-Rente für Selbständige werden lauter

Gesetzliche Rente und private Altersvorsorge – die Themen sind vor allem durch Zahlen geprägt. Zahlen, die schwer verdaubar sind, unter dem Strich aber ganz klar belegen: Ohne eigenes Engagement bleibt im Alter nur Schmalhansküche. Da sich viele davon unbeeindruckt zeigen und damit rechnen, eine ausreichend hohe Rente zu erhalten, schwebt schon seit einiger Zeit der Gedanke im Raum, zur stärkeren privaten Vorsorge zu verpflichten. Man sollte meinen, die Finanzbranche würde jubeln. Doch sie setzt eher auf die freiwillige Basis und betont, dass es keine Alternative zur eigenen Altersvorsorge gebe, ob nun über eine Riester-Rente oder andere Produkte.

Denn das Rentensystem, wie es heute besteht, sieht dramatischen Änderungen entgegen. Professor Herwig Birg, der sich an der Universität Bielefeld mit der Analyse der Bevölkerungsentwicklung befasst, nennt die Gründe: Von jetzt 82 Millionen wird die Zahl der Bundesbürger bis Mitte des 21. Jahrhundert auf rund 68 Millionen sinken. Bei den 20- bis 60-jährigen geht man von einem Rückgang um 16 Millionen aus, während der Anteil der über 60-jährigen um zehn Millionen steigt. Statt sich diesem Problem zu stellen, machten viele lieber die Augen zu, weiß Herwig Birg. Verfahren werde nach dem Motto, was ich nicht sehe, bedarf keiner Lösung.

Diese Daten zeigen lediglich eine Tendenz, die jeder für sich selbst bewerten muss. Anders die Ergebnisse der Allianz-Volkswirte. Sie haben Berechnungen für zwölf Rentnertypen angestellt. Üblich war seitens der Deutschen Rentenversicherung bisher, sich auf einen Musterrentner zu beschränken. Da heute aber kaum jemand mehr 45 Jahre lang den durchschnittlichen Rentenversicherungsbeitrag einzahlt, sind diese Werte beinahe schon belanglos. Laut Allianz bleiben Facharbeitern, die 45 Jahren lang in die Rentenkasse zahlen, nur 43 Prozent des letzten Bruttoeinkommens. Bei Akademikern, die im Schnitt auf 35 Beitragsjahre kommen, sind es nur 35 Prozent. Wer längere Zeit arbeitslos ist, muss mit 40 Prozent rechnen. 70 Prozent sind nötig, um den Lebensstandard halten zu können.

Dazu muss mehr als 20 Jahre mit einen Riester-Vertrag gespart werden. Rentennahen Jahrgängen bis 1950 bleibt daher eine kleine Lücke. Als Lösung wird seitens einiger Politiker propagiert, auch Selbständige zur Zahlung in die Rentenkasse zu verpflichten. Dass sich spätestens, wenn die Rente gezahlt werden muss, Probleme ergeben, wird dabei übersehen. Die 2003 gegründete Initiative Finanzstandort Deutschland (IFD), der neben den Versicherungen und Banken auch die Deutsche Börse, das Bundesfinanzministerium sowie die Bundesbank angehören, hat einen ganz anderen Vorschlag: „Zu unserer Kernforderung gehört, dass in die Riesterförderung vor allem auch Selbstständige mit einbezogen werden.“ Damit stoßen sie ins gleiche Horn wie Walter Riester.

Posted by Andre on 09/24 at 03:56 AM
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